Dark Blood – Leseprobe

Prolog

10. April 1442, Ostersonntag.

Kalt fielen die letzten Strahlen der kraftlosen Frühlingssonne durch die Ritzen der morschen Fensterläden. Ein eisiger Lufthauch folgte ihnen. Harsch trieb er das Licht zwischen den schweren Vorhängen hindurch und auf das blank polierte Geschirr, auf dem es sich funkelnd brach und nichts als einen seichten Schimmer hinterließ. So vergänglich. So lächerlich.

»Gleich ist es Nacht«, flüsterte das Mädchen und hielt den Blick starr auf die unter der Kraft des Windes erzitternden Läden gerichtet. Tiefrot glühte der mächtige Feuerball dahinter, als wolle er sich der drohenden Schwärze widersetzen. Die Dämmerung setzte ein. Niemanden kümmerte es.

Die einfachen und doch so bedeutsamen Worte gingen im Tumult der Menge unter. Lachen, Grölen, Brüllen, alles verschwamm zu einer Melodie der Bedeutungslosigkeit. Das verzehrende Knacken des Feuers inmitten des gewaltigen Kamins, das Krachen unzähliger Krüge auf den langen Tafeln. Dutzende Leiber drängten sich in der Festung Târgoviştes. Alte Männer und ihre Frauen, dicke Männer in schweren Gewändern. Geachtete Familien. Heuchler, allesamt. Der Adel ihres Volkes, nutzlos und verachtenswert. Da, die Reihe der fetten Händler auf der anderen Seite des Saales schrie nach mehr Wein. Sollten sie trinken. Vielleicht würde sie später in der Nacht wiederkommen, mit ein paar getrockneten Blättern aus dem Schrank ihrer Mutter. Sie würde es nicht bemerken, vor allem nicht in dieser Nacht. Die alten Kerle wüssten nicht, wie ihnen geschähe, bevor sie …

»Zügle deine Gedanken, Valentina.«

Die raue Stimme ihres Sitznachbarn trieb ein Zittern bis in ihre Fingerspitzen. Kalt sah er auf sie herab. Die in den dunklen Augen liegende Härte verlieh seinen Zügen etwas Forsches, Unnachgiebiges. Tief hatte er die dunklen Brauen in die Stirn gezogen, die schiere Breite seines muskelbesetzten Körpers flößte jedem Mann Respekt ein. Nicht zu Unrecht war es an ihm, die Söhne der Herrscherfamilie in der Kriegskunst zu unterweisen. General Alexei Dăneşti widersprach man nicht. Wer wusste das besser als sie?

»Verzeiht, Vater.« Um Ruhe bemüht sah Valentina auf den vor ihr stehenden Teller und hielt sich davon ab, die Fäuste zu ballen. Sie hasste einfach alles an diesem Tag. Die goldene Ikone oberhalb des Kamins schien ihren Blick zu heben und sie hämisch auszulachen, dabei sollte sie doch leiden und am Kreuze vergehen. Ein undankbarer Tod. Und doch zwang sie der tote Gottessohn an diesem ach so heiligen Tag in einen Saal voller feiernder Dummköpfe, die endlich wieder nach Herz und Lust Fleisch und Früchte verschlingen durften. Als ob diese jämmerlichen Kreaturen jemals darauf verzichtet hätten.

Ein leises Zischen erinnerte sie daran, dass nicht nur auf der anderen Seite abscheuliche Kreaturen zugegen waren.

»Mit genug Schwung krieg ich den auch mit diesem Messer hier auf den Boden«, murmelte ihre jüngere Schwester, stieß erneut zischend die Luft aus und griff nach dem silbernen Besteck. Sie stützte den Ellbogen auf den massiven Tisch und führte die stumpfe Klinge von ihrer Schulter bis auf die Tischplatte. »Genügend Angriffsfläche bietet der allemal.«

Valentina verdrehte die Augen und legte die Hände auf die hohen Stuhllehnen. »Der wird dir nicht genug bluten, Teufelsbrut. Durch das Fett kommst du nie durch. Verschwinde doch einfach und such dir ein Huhn.« Es wäre nicht das erste Tier, das Anastasias krummen Fingern zum Opfer fiele. Genau genommen hatten sie alle längst aufgehört, die Anzahl der verendeten Seelen auch nur schätzen zu mögen. Dafür hatte die Jüngere viel zu viel Spaß an Tod und Gewalt.

Anastasia schürzte die Lippen und klopfte mit dem Messer dagegen. Man hätte fast meinen können, dass sie nachdachte. Aber nach acht Jahren ohne auch nur einen sinnvollen Gedanken würde sie wohl kaum ausgerechnet heute damit anfangen.

»Bist du sicher, Valenka? Vielleicht könnte ich …«

»Nein. Kannst du nicht.«

»Aber mit einem Dolch oder …«

»Als ob es mir um die Waffe ginge, Nastja. Du bist viel zu dämlich, um einen Menschen zu töten. Sogar der Fettsack wäre zu schnell für – Au!«

Ein scharfes Brennen entflammte auf Valentinas Handrücken. Ruckartig zog sie die Hand in den Schoß und starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den tiefen Striemen, der sich rot glänzend von ihrer hellen Haut abhob.

»Biest!«, fauchte sie und griff blitzschnell nach ihrem eigenen Messer. »Teufelsbrut! Elende …«

»Wollt ihr nun endlich still sein!«

Valentina presste die Lippen zusammen und barg die verletzte rechte in der linken Hand. Anastasia ließ die blutverschmierte Waffe zu Boden gleiten, mit einer Unschuldsmiene, hinter der jeder Narr die glühende Boshaftigkeit erkannt hätte. Tief einatmend verdrängte Valentina den Schmerz. Eine ihrer leichtesten Übungen, wenn sie nur daran dachte, sich später an dieser verdammten, blutliebenden Ausgeburt der Hölle zu rächen. Kampfeskraft, Kampfesgeist und Kampfeslust, all das trainierte ihr Vater mit ihnen beiden seit ihrem dritten Lebensjahr. All das vereinigten die zwei Dăneşti-Töchter in sich wie niemand sonst – auch wenn Valentina ihre Schwester natürlich nicht nur übertraf, weil sie zwei Jahre älter und dem harten Regime Alexei Dăneştis länger ausgesetzt war. Nein, Anastasia war nicht nur rücksichtslos, blutgierig und kämpferisch, sondern vor allem eines: dumm. Ihre Mutter mochte es beschönigen, ihr Vater es ignorieren. Valentina sah es, wie es war. Über eine Entscheidung oder Handlung nachdenken? Überflüssig. Mit Taktik an einen Kampf oder eine Aufgabe herangehen? Viel zu kompliziert. Einfach drauf losschlagen? Oh ja, das konnte die Kleine.

Ihr Vater räusperte sich. Valentina beobachtete, wie er sich die dunklen Haare hinter die Ohren strich. Tiefe Falten gruben sich in seine Stirn. Immer wieder flog sein Blick wie der ihre zu den Fensterläden, durch die nun nichts mehr als Dunkelheit drang. Auch er war ungewohnt unruhig, besorgt – nur aus einem ganz anderen Grund als sie.

»Hast du dich endlich entschieden, Valentina?«, fragte der Oberste der Dăneşti-Familie. Dabei sah er sie nicht einmal an.

»Ja«, sagte sie schlicht. Eine Lüge.

Ihr Vater richtete den Blick auf die Tafel, die am dichtesten beim wärmenden Feuer stand. Valentina tat es ihm gleich und beobachtete die dort sitzenden Männer. Die Draculeştis, die herrschende Familie. Eine Rolle spielten bloß vier von ihnen, doch der älteste Draculeşti hatte Târgovişte verlassen und den Thron der Walachei seinem ältesten Sohn Mircea überlassen. Warum der Woiwode momentan nicht am Hofe war, hatte Valentina nicht genau verstanden. Ihr Vater war als General über alle Schritte genau informiert, aber vor seinen Töchtern schwieg er über alles, was die Konflikte ihres Landes mit den Osmanen betraf.

»In wenigen Stunden jährt sich der Tag deiner Geburt, Valentina. Bis Sonnenaufgang erwarte ich ein Ja, das nicht schwer von Lüge ist.«

Valentina wusste nicht viel über Mircea, bloß, dass er mit seinen zwanzig Jahren doppelt so alt war wie sie. Mit ihm gesprochen hatte sie noch nie. Generell wirkte er mit seinem ruhigen Blick und der bedachten Art eher … schlicht. Intelligent und gütig vielleicht. Doch kein wirklicher Herrscher.

»Ja, Vater«, sagte sie. Und dann traf sie ein anderer Blick.

Zum ersten Mal an diesem Abend sah Vlad zu ihr herüber und schenkte ihr prompt ein amüsiertes Lächeln. Sie erwiderte es und deutete ein Schulterzucken an. Er griff nach seinem Becher und prostete ihr zu, dann hob er eine Augenbraue und nickte in Richtung der mampfenden Fettsäcke. Valentina legte grinsend ebenfalls die Hände um ihren mit Țuică gefüllten Krug. Vlad III. war ein Herrscher wie kein anderer. Die dunklen Augen schmal und aufmerksam, die Wangen eingefallen unter den hohen Knochen. Ein harter Zug um das markante Kinn. Und doch ein Junge von elf Jahren. Die Tiefe seines Blickes zeugte von Wissen und Stärke.

»Es ist die Tradition unserer Familie, Valentina«, sprach Alexei hart. »Du wirst nicht damit brechen. Drei Überzeugungen, drei Prinzipien. Was bedeutet es, eine Dăneşti zu sein? Welche Werte sollen dein Handeln bestimmen? Wähle endlich.«

Vlad wandte sich seinem fünfjährigen Bastardbruder Radu zu und lachte über etwas, das dieser sagte. Der Kleine brachte ein verzerrtes Grinsen zustande und fügte noch etwas hinzu. Der kleine Finger seiner rechten Hand zuckte dabei, wie immer, wenn er log. Zumindest diese Reaktion hatte er mit seinem älteren Bruder gemein.

Valentina lehnte sich zurück und strich gedankenverloren das Blut von ihrem Handrücken. All diese Fragen hatte ihr Vater ihr schon so viele Male gestellt. Diese und viele mehr. Sie musste sich nur für drei von ihnen entscheiden. So würde sie sich in die lange Reihe der Dăneştis eingliedern, die an ihrem zehnten Geburtstag die Grundsteine ihres Lebensweges festlegten. Dabei würde doch gerade die heutige Nacht ihre Zukunft von Grund auf verändern! Wie sollte sie sich da auf irgendetwas festlegen?

»Falls du nur einen Anfang finden musst – wähle die Treue«, sagte ihr Vater. »Mircea wird nicht zögern, dich an seine Seite zu rufen. Er hat sich eingehend mit den heranwachsenden Kriegern vertraut gemacht, seitdem sein Vater … fort ist. Er wird ein guter Herrscher sein.«

Valentina schluckte und ballte die Faust, sodass neues Blut über ihre Knöchel lief. Treue. Ja, die wollte sie wählen. Aber nicht für Mircea.

»Ihr beide habt einen Narren an Vlad gefressen. Und er an euch. Doch er wird nicht herrschen, Valentina. Schlag dir das aus dem Kopf.«

Auch Anastasia zuckte bei dem missmutigen Klang der Stimme ihres Vaters zusammen. Wie immer. Nastja ertrug weder die Missbilligung ihres Vaters und Lehrers noch jegliche Erwähnung von Vlads Namen. In seiner Gegenwart war es noch schlimmer, dann erstarrte sie vollkommen. Valentina war das nur recht. Das kleine Biest schwieg viel zu selten.

Sechs Jahre war es her, dass Vlad mit seiner Familie nach Târgovişte gekommen war. Kurz darauf begann seine Ausbildung in der Hand von Alexei Dăneşti. Zu diesem Zeitpunkt hatte Valentina ihm bereits ein Jahr der Übung voraus. Alexei erkannte schnell, dass es nur förderlich war, seine älteste Tochter und den Fürstensohn gegeneinander antreten zu lassen.

»Bei Sonnenaufgang wirst du dich entschieden haben.« Die Fingernägel ihres Vaters kratzten über das blanke Holz. Seine Brust hob und senkte sich in unnatürlich schnellem Takt, während er seinen Becher ergriff und die blutrote Flüssigkeit hinunterstürzte. Valentina schluckte. Er trank sonst nie.

»Binde dich nicht an einen Zweitgeborenen«, knurrte er. »Das ist deiner nicht würdig.«

Nicht würdig, wiederholte Valentina in Gedanken und ballte die Fäuste. Die Flammen des Feuers flackerten vor ihren Augen. Nicht würdig.

Alles in ihr sträubte sich gegen diesen Gedanken. Denn er war nicht richtig. Wenn es einen Menschen gab, einen einzigen Mann auf dieser dreckigen, grausamen Welt, der ihrer Treue würdig war, dann war es Vlad Draculeşti.

»Vater, ich …«

Jede weitere Silbe blieb ihr im Halse stecken, als die Tür aufgestoßen wurde. Donnernd knallten die schweren Metallbeschläge gegen die steinerne Wand.

Ihr Vater war aufgesprungen, noch bevor die feiernde Meute sich gänzlich zu dem eintretenden Jungen umgewandt hatte. Dieser schnappte nach Luft und schien sich erst irgendwo abstützen zu wollen, da gewahrte er den starren Blick des Generals. Und nickte.

Feinen Eissplittern gleich bohrte sich die Kälte in Valentinas Venen. Immer lauter klang ihr Herzschlag in ihren Ohren wider, gewann an Kraft und Schnelligkeit.

»Los, Mädchen, los! Es ist so weit!«

Die Stimme ihres Vaters überschlug sich beinahe. Mit einem Ruck zog er die Stühle seiner Töchter zurück, ergriff ihre Hände und hob sie mühelos von den Sitzflächen. Valentina musste lange Schritt machen, um nicht zu stolpern. Anastasia folgte mit gestrecktem Arm und kam mit ihren kurzen Beinen kaum hinterher.

Die Lichter der Halle zuckten wie im Traum an Valentina vorbei. Das Feuer, die Bilder, die bunten Gewänder. Überall Freude, Ausgelassenheit. In dieser Nacht, die ihren Untergang bedeuten könnte. Nun war es nicht mehr aufzuhalten.

Ihr letzter Blick galt Vlad. Dicht vor der Tür warf sie den Kopf herum, suchte und fand ihn. Eine tiefe Falte grub sich in seine Stirn, Schatten lagen auf den schwarzen Augen. Er wusste, dass die nächsten Minuten alles ändern konnten.

Knallend fiel die Tür hinter ihnen ins Schloss. Die Muskeln ihres rechten Arms protestierten unter dem ständigen Druck, doch ihr Vater ließ sie nicht los. Immer weiter zog er sie durch die dunklen Gänge der Festung, durch schmale Flure und Treppen hinab, bis die kühle Nachtluft über ihre Haut strich. Die Hauptstadt der Walachei lag in vollkommener Dunkelheit unter ihnen, während sie dem abfallenden Weg folgten, immer auf die Stadtmauer zu. Eines der flachen Häuser dort war hell erleuchtet.

Anastasia stieß ein Wimmern aus. So wendig und flink sie auch war, die Schritte ihres Vaters waren zu lang für sie. Alexei Dăneşti warf einen missbilligenden Blick über die Schulter und beschleunigte noch einmal. Als sie kaum noch zehn Manneslängen von ihrem Elternhaus entfernt waren, rutschten Anastasias schweißnasse Finger aus seinem Griff. Kurzerhand ließ er sie beide los.

Keuchend fielen die Schwestern nebeneinander auf den eisigen Boden. Anastasia rollte sich auf den Rücken und schloss um Atem ringend die Augen, während Valentina auf den Knien blieb und beobachtete, wie ihr Vater die geöffnete Tür erreichte. In diesem Moment trat die Hebamme daraus hervor, ein kleines Bündel in den Armen. Es schrie.

»Na los«, brachte Anastasia hervor, ohne sich aufzusetzen. »Sag es.«

Alexei Dăneşti griff nach dem Bündel. Valentina erkannte, wie er die dünnen Stoffbahnen zur Seite schob – und lächelte.

Stumm sah sie zu ihrer Schwester. Ein Blick genügte.

Denn in diesem Moment büßte alles, was sie sich so hart erarbeitet hatten, seinen Wert ein. Ihr Schicksal verlor seinen Glanz. Seine Größe. Seine Wichtigkeit. Sie waren nicht länger die kriegerischen Dăneşti-Schwestern, die eines Tages in die Fußstapfen ihres Vaters treten würden. Sie waren nicht länger seine Erben.

Denn dieser kleine Wurm dort in den Armen ihres Vaters stand nun über ihnen. Dieser nutzlose, erbärmliche, männliche Wurm.

Valentina sank zurück und streckte die Beine von sich, unfähig, den Blick von dem gerade geborenen Leben abzuwenden. Der sehnlichste Wunsch ihres Vaters war erfüllt. Er hatte einen männlichen Nachkommen.

Das zarte Klopfen der Verzweiflung sandte ein Beben durch ihr Herz. Doch sie ließ sie nicht ein. Nein, in ihr war kein Platz für Verzweiflung, für Angst oder Unsicherheit. Das, was nicht nur ihr Herz, sondern auch ihren Geist in diesem Augenblick flutete, war nichts als brennende Wut. Und grenzenloser Hass.

Was bedeutet es, eine Dăneşti zu sein?

Valentina hob den Kopf. Der Mantel der drückenden Schwärze lag über Târgovişte. Sie musste nicht länger darauf warten, dass er sich lichtete. Sie traf ihre Wahl.

»Ich folge dem, der meiner würdig ist«, flüsterte sie. Der Wind riss ihr die Worte von den Lippen.

Dann sah sie zu ihrer Schwester. Anastasia hatte ihr Messer gezogen, ein kleines, schmuckloses Ding. Sie drehte die Waffe in der Hand, leckte sich über die Lippen. Als sich ihre lodernden Blicke nun trafen, wussten sie beide, dass dieser stumme Schwur sie verband – stärker, als sie sich je aneinander gebunden hätten. Wie eben noch der Bote in der steinernen Halle nickten nun die beiden Schwestern. Vereint im Hass auf den, der ihnen mit seinem ersten Atemzug alles genommen hatte.

Doch dies war es nicht, was sie sich selbst schwören wollte. Sie würde nicht zulassen, dass diese Nacht, die Geburt dieses jämmerlichen Jungen alles zerstörte. Valentina betrachtete ihre Schwester, runzelte die Stirn und wählte ein weiteres Mal.

»Zu viel Gewalt macht dumm«, raunte sie und spürte dabei schon fast ein Grinsen auf ihren Lippen.

Dann sah sie wieder nach vorn und ballte die Fäuste, als sie das dritte Prinzip formulierte. Der letzte von drei Sätzen, nach denen sie all ihre folgenden Lebensjahre ausrichten würde.

»Niemand erniedrigt mich und kommt mit dem Leben davon.«


DIE MAGISCHEN VÖLKER UNSERER ZEIT

DSCHINN

Maride: Oberste Gattung der Dschinn, blaue Haut. Stolz und arrogant, beherrschen das Wasser.

Afrite: Aus Feuer geboren, schwarze Haut. Kriegerisch und aufbrausend.

Ghule: Niedere, missgestaltete Dschinn ohne magische Kraft. Gestaltwandler.

LICHTES VOLK

Fae: Naturverbundene Herrscher des Lichten Hofes. Menschengroß, friedliebend, schützen die Menschen vor schädlicher Magie.

Sidhe: Handgroße, bunte Wesen mit Flügeln. Zu einfacher Naturmagie fähig.

Kobolde: Hausgeister, gierig und starrsinnig, aber nicht bösartig.

GEISTERWESEN

Geister: Durch einen gewaltsamen Tod zerrissene Seelen. Können keinen Einfluss mehr auf diese Welt nehmen, sind an ihre Mörder gebunden.

Acephale: Kopflose Wesen mit Augen auf der Brust. Verkörpern Wissen und Weisheit der Ungehörten.

Irrlichter: Flackerndes Licht. Entstehen aus Einsamkeit und Unglück der Verstorbenen.

VAMPIRE

Blutsaugende Untote. Keine magischen Fähigkeiten, aber durch Magie entstanden. Wie, ist unbekannt. Noch …


 

TEIL 1:

NIEMAND UNTERGRÄBT MEINE AUTORITÄT, OHNE DASS SEIN KOPF ROLLT.

 


 

Kapitel 1

Fast 600 Jahre später.

 

Was bedeutet es, eine Dăneşti zu sein?

Im Schein des Feuers sacht schimmernd verließ das Messer ihre Hand, durchschnitt zischend die Luft und versank bis zum Heft zwischen den nachtschwarzen Steinen.

Es bedeutet zu folgen.

Bedächtig zog sie eine weitere Klinge aus der Halterung. Ein leises metallisches Schaben erklang, zeigte ihr, wie scharf diese einfache Waffe war.

Es bedeutet zu kämpfen.

Dumpf schlug das zweite Messer ein, feiner Staub stob auf. Sie wog das dritte in der Hand, schleuderte es von sich und verfolgte seinen Flug.

Es bedeutet zu töten.

Valentina lehnte sich in ihrem Sessel zurück und betrachtete die feinen Risse, die das letzte Messer im Gestein hinterlassen hatte.

Sie war gefolgt, ihr Leben lang. Sie hatte gekämpft, ihr Leben lang. Und sie würde weiter töten – ihr ganzes verdammtes Leben lang. Das bedeutete es, eine Dăneşti zu sein. Auch wenn sie die Prinzipien mit der Zeit umformuliert hatte, waren es noch immer dieselben. Sie formten die Fesseln ihres Lebens.

»Nun komm endlich zum Punkt, Erristomja. Wir haben nicht die ganze Nacht Zeit.«

Valentina erhob sich, ohne den hinter ihr Streitenden Beachtung zu schenken. Michail wollte sie in allen Belangen ihres Geschäftes unterstützen. Dazu gehörte nun einmal auch die Verhandlung mit einem missratenen, gierigen Kobold.

»Das ist mir bewusst, edler Herr, doch ich fürchte, diese Entschädigung ist nicht ausreichend im Angesicht des immensen Aufwandes, den meine Wenigkeit betreiben musste, um an dieses Schmuckstück zu kommen. Seht doch nur, wie es funkelt und glänzt! Eine edle Ware, fürwahr, fürwahr. Einer Königin mehr als würdig.«

Ruhig ging sie die sieben Schritte bis zur gegenüberliegenden Wand aus schwarzem Marmor und zog mit einem Ruck das erste Wurfmesser heraus. Staub legte sich auf ihre feingliedrigen Finger.

»Euer Aufwand interessiert mich nicht. Der Preis steht fest. Dieses Stück werdet Ihr auf dem Schwarzmarkt in fünf Jahren nicht los – wollt Ihr es so lang in Euer Schmuckkästchen legen? Es steht Euch sicher fabelhaft. Legt es schon um, nur zu.«

Valentina spürte ein Lächeln auf ihre Züge gleiten. Es hatte einige Zeit in Anspruch genommen, ihrem jungen Schützling die ungepflegte Sprache seiner Zeit auszutreiben. Nun vermochte er sich dem Alter jedes Wesens anzupassen und auch ein dreihundert Jahre altes Mitglied des Lichten Hofes angemessen niederzumachen. Nicht, dass der schmierige Händler der heutigen Ausdrucksweise nicht mächtig wäre. Kobolde wie er waren schlicht zu starrsinnig, auch nur die kleinste Veränderung hinzunehmen und fixiert auf jämmerliche Traditionen.

»Hm, ach … Verzeiht mein Zögern, werter Herr. Ein armer Kobold wie ich hat auch hungrige Mäuler zu stopfen und –«

»Oh, Erristomja«, unterbrach Valentina seine Rede und brachte ein tiefes Seufzen hervor. In aller Ruhe wandte sie sich den verhandelnden Männern zu und näherte sich dem massiven Tisch aus schwerem Eichenholz, an dem sie für diese überflüssige Verhandlung Platz genommen hatten. »Mein Liebling unter dem wuchernden Abschaum deines Volkes. Wir wissen doch alle, dass du nur dein eigenes Maul zu stopfen hast. So gern ich dich immer wieder mit einer anspruchslosen Sidhe zusammenbringe, wer würde es schon mit dir aushalten?«

Der Kobold schluckte schwer, seine grün strahlenden Augen verdunkelten sich. Er hielt ihrem Blick nicht stand, sah zur Seite, zog seinen Hut vom kahlen Kopf. Er hatte noch immer nicht dazugelernt. »Valentina, versteht doch, was für eine Gefahr dieses Schmuckstück in sich barg! Den Lichten Hof zu betreten, ist meiner selbst unmöglich, ich tauschte hier einen Gefallen, dort ein Goldstück ein, nur um Euch diesen Schatz zu beschaffen! Stellt Euch nur vor, ich wäre –«

»Michail, hast du diesem ehrenhaften Schwarzhändler unseren Preis im Voraus genannt?«

»Das habe ich.« Michails dunkle Augen blitzten, als er sich lächelnd zurücklehnte und die Arme vor der Brust verschränkte. Etwas zu gewollt, etwas zu betont ungerührt. Und doch besser als jeder andere ihrer Art, den sie in diesem Alter beobachtet hatte. Mit jedem Tag bewies er, dass er eine gute Wahl gewesen war.

»Dann sehe ich in diesem Fall kein Problem.« Schwer trafen die eisenbeschlagenen Absätze ihrer Stiefel auf den hölzernen Boden und erzeugten einen endgültigen Hall, als sie an den Hehler herantrat. Er ragte ihr gerade einmal bis zu den Knien.

Der Kobold blinzelte mehrmals, öffnete den Mund, schloss ihn wieder und deutete schließlich auf das samtbeschlagene Kästchen, das Michail nun auf seine Seite des Tisches zog. »Ich kann nicht … Mit Verlaub, das ist wirklich …«

»Es ist deine letzte Möglichkeit, Erristomja.« Sie beugte sich vor, legte eine Hand auf die Tischplatte und brachte ihre blutroten Lippen ganz nah an sein Ohr. »Mit mir verhandelt man nicht«, flüsterte sie und genoss den Hauch der Angst, die den Kobold erfasste. Der Griff um seinen Hut verkrampfte, bevor er ihn sich hastig wieder auf den Kopf zog.

»Das … das ist mir natürlich bewusst, Herrin. Also … bleiben wir beim vereinbarten Preis, bei meinem Goldtopf. Ein Gewinn für beide Seiten.«

Valentina verdrehte die Augen und wandte sich ab. Typisch feiger Kobold. Sie hatte schon einige Male von Erristomja gekauft und genau an diesem Punkt des Gespräches den Preis um die Hälfte gedrückt. Dies war ihr erster gezielter Auftrag an ihn gewesen – und es würde der letzte bleiben.

Mit einem Kopfnicken bedeutete sie Michail, dass der Abschluss des Kaufes nun wieder seine Aufgabe war. Tief einatmend suchte sie nach der sie sonst stets erfüllenden Ruhe, doch in dieser Nacht war sie so aufgewühlt wie seit zweihundert Jahren nicht mehr. Dabei war alles wie immer. Zu ihrer Linken leckten die Flammen des Feuers an den trockenen Holzscheiten, über ihr verbreitete ein funkelnder Kronleuchter seinen Schein. Fünf Eisenketten mit dutzenden glänzenden Gliedern hielten ihn an der hohen Decke. Zwanzig Meter führten die beiden ineinander verschlungenen Wendeltreppen aus massivem Holz und nachtschwarzem Marmor in die Höhe, bevor sie auf das Kellergeschoss trafen. Hierher verirrte sich niemand, der nicht von ihr persönlich eingeladen wurde.

Nachdenklich durchblickte sie den fensterlosen Raum. Keine weitere Tür führte aus ihm hinaus, zumindest keine sichtbare. Neben dem Kamin und dem Tisch, an dem Michail nun den Kauf abschloss, nahmen bloß noch drei Aktenschränke und ihr Schreibtisch ein wenig Platz ein. In der Mitte des Tisches thronte außerdem eine dekorative, aber auch äußerst nützliche goldene Schale voll klarem Wasser. Gewebte Teppiche lagen unter den Möbelstücken, die Mitte des Raumes blieb frei. Unzählige Kerben, Riefen und dunkel verfärbte Flächen zierten hier den Boden. Blut zog bedauerlicherweise äußerst schnell in das Holz ein. Es jedes Mal abzuschleifen, war die Mühe nicht wert. Jede der siebenunddreißig Waffen, die sich je zwei Schritt voneinander entfernt an die marmorne Wand reihten, hatte hier schon mehr Gegner niedergestreckt, als Erristomja Goldstücke in seinem Töpfchen bewahrte. Schwerter, Bidenhänder, Krummdolche, Speere, Äxte, Morgensterne, selbst Gewehre und neumodische Pistolen. In all den Jahren hatte sie den Umgang mit beinahe jeder Waffe perfektioniert. Nicht umsonst nannte Michail diesen Raum den Waffensaal. Herausforderer waren stets willkommen. So veränderten sich die Blutmuster auf den Holzdielen beständig. Etwas Abwechslung schadete nie.

»So nehmt hin, das gute Stück. Meine Dienste stehen Euch jederzeit wieder zur Verfügung, verehrter Meister Moldovan«, erklang es hinter ihr, als sie die Treppe erreichte. Der Saum des weiten Rockes schlug mit jeder Stufe um ihre Knöchel, während der dicke Stoff sich aufbauschte und ihre weiche Lederhose ein leises Knirschen von sich gab. Im Gegensatz zu den Kobolden wusste Valentina gewisse Neuerungen durchaus zu schätzen. Hosen zum Beispiel. Lange Zeit hatte sie die Gesellschaft dafür verachtet, Frauen wie sie in ein derart unnötig unpraktisches und demütigendes Gewand wie ein Kleid zu zwingen. Natürlich hatte sie dieser Zwang selten davon abgehalten, die einer Kriegerin und Generalin angemessene Rüstung zu tragen. Dennoch betrachtete sie die heutigen Freiheiten in gewisser Weise als Triumph über die elende Sturheit der männlichen Herrschaft.

Als sie den obersten Absatz der Treppe erreichte, war Erristomja bereits verschwunden. Ebenso wie die handgroßen Sidhe mit ihren ekelhaft bunten Flügeln und die hochgewachsenen, harmoniebedürftigen Fae vermochten die Kobolde ihre Gestalt verschwinden zu lassen. Unter der Herrschaft der obersten Fae Tilyána hatten sich diese drei Gattungen zusammengeschlossen. Fae, Sidhe und Kobolde gründeten den sogenannten Lichten Hof, eines der drei verbliebenen magischen Völker. Valentina hatte nie nachvollziehen können, was sowohl die Menschen als auch beinahe alle Mitglieder der magischen Gesellschaft an gierigen Kobolden, nervtötenden Sidhe und eingebildeten Fae schätzten … aber darüber bildete sie sich kein Urteil. Sie hasste schon zu viele Wesen, als dass sie auch noch die Flatterviecher auf ihre Abschussliste setzen konnte.

Valentina trat an die Brüstung der Galerie und legte die Unterarme darauf. Unter ihr nahm Michail die schlichte Schatulle vom Tisch und betrachtete den darin funkelnden Edelstein. Wunderschön, keine Frage, auch wenn Waldgrün noch nie Valentinas Farbe gewesen war. Ein inneres Leuchten durchdrang die geschliffenen Facetten. Die schmale Silberfassung verlief in einer fein geschwungenen Kette. Kein Fest ihres Hofes wurde begangen, ohne dass das Strahlen des Waldes Tilyánas Stirn schmückte. Tja. Dann mussten die poetischen Viecher ihre nächste Feier wohl verschieben.

Eine tiefe Zufriedenheit durchfloss ihre Adern, während Michail die Schatulle schloss und einsteckte. Das Wasser in der breiten Goldschale schlug feine Kreise, als er gegen den Tisch stieß. Dann hob er den Blick, nickte ihr zu und wandte sich um. Alles verlief nach Plan. Wenn Kadir in dieser Nacht endlich an sich brachte, wonach Valentina seit mehr als einhundertfünfzig Jahren suchte, rückte ihr Ziel in greifbare Nähe. Und es bestand kein Zweifel an seinem Erfolg.

Der verborgene Zugang fiel hinter Michail ins Schloss und verschmolz mit der Wand, während Valentina auf die einzelne metallene Tür zuhielt, durch die man das zweittiefste Gewölbe dieses Etablissements verlassen konnte. Schon lag ihre Hand auf dem silbernen Knauf, als ein eisiger Luftzug über ihren Nacken strich.

Die Zufriedenheit wich tiefer Unruhe. Energisch presste sie ihren Daumen auf das Zentrum des Knaufs, spürte die winzige Silbernadel ihre Haut durchstoßen, roch die Spur warmen Blutes, riss die Tür zurück – und erschauderte, als ihr mehr entgegenschlug als die muffige Kälte der steinernen Treppenstufen.

»Uh, Valentina! Du bist besonders warm heute, so schön lebendig … Hey, wo willst du denn hin?«

»Ich habe keine Zeit für unser Geplänkel, Charly«, rief sie, ohne sich umzusehen. Eilig erklomm sie die schmalen Stufen. Die Wand war rau, eine rußende Fackel erhellte den Gang. Kein Uneingeweihter hätte erahnt, was sich hinter der grauen Tür an dessen Ende verbarg. Ganz abgesehen davon, dass er diese ohne ihr eigenes oder Michails Blut nicht öffnen konnte. Eine weitere wunderbare Neuerung der heutigen Zeit: Technik. Nicht das einfache Zeug, das die Menschen so bejubelten, sondern speziell auf die Sicherheit ihrer Aufzeichnungen und Besitztümer zugeschnitten. Die Fae und Sidhe auszusperren, war beinahe unmöglich. Aber solang man diese nicht verärgerte, waren sie viel zu sehr auf Frieden und ein harmonisches Gleichgewicht bedacht, um eine Bedrohung darzustellen. Auch die meisten Geisterwesen konnte sie nicht davon abhalten, diese Tür zu durchdringen, aber es ging ihr einzig und allein um die …

»Dass du immer so hektisch bist, Valentina. Aber so ist das wohl, wenn man noch am Leben ist.«

Oh ja, die Geisterwesen: das zweite magische Volk. Sie hätte vieles dafür gegeben, dieses eine Exemplar loszuwerden. Ihr war ganz gleich, wohin. Nur weg.

Als wollte Charly diesem Gedanken bewusst widersprechen, erschien seine blasse Gestalt direkt vor ihr. Ruckartig hielt Valentina inne, stemmte beide Hände gegen die Wand und starrte in seine Augen. Es bedurfte einiger Übung, diese zu fixieren. Die durchscheinenden Umrisse waren im Licht der Fackel kaum auszumachen. Jegliche Farbe war mit dem Leben aus dem jungen Mann gewichen, der Charly einst gewesen war. Das war … puh. Waren es schon sechzig Jahre? Nein, etwas weniger. Michails erster Tag hier bei ihr in Genf.

»Schaust du wieder oben im Klub nach dem Rechten? Tanzt mit den Lebendigen?« Charly stieß ein Seufzen aus. »Hach, wie ich es doch vermisse …«

Und wie sehr sie erst ihre Ruhe vermisste.

»Aus dem Weg, Charly. Mach schon.«

Der Geist gab ein weiteres herzzerreißendes Seufzen von sich – derlei Laute hatte er in den letzten Jahrzehnten wahrlich perfektioniert – und schwebte ein Stück zur Seite. Valentina überwand die letzten Stufen und verharrte vor einer schmucklosen Wand. Flackernd tanzte das Licht der Fackeln über den Stein, während sie routiniert nach der Vertiefung in der rechten oberen Ecke tastete. Ein sachter Ruck und schon schwang die Wand nach vorn. Mit einem großen Schritt stieg sie in den hell erleuchteten Raum.

»Selbst du verachtest die Kälte des Todes, Valentina. Selbst du!«

Hinter ihr fiel das imposante, mannshohe Gemälde zurück an seinen Platz. Charly störte das natürlich wenig, denn diese Welt hatte keinerlei Einfluss mehr auf ihn. Während sie rasch den großzügigen Besprechungsraum durchquerte, warf Valentina ihrem anhänglichen Mitbewohner einen kurzen Blick zu. Die Weste mit der doppelten Knopfleiste war einmal tiefrot gewesen, für diese Farbe hatte sie auch schon in den Sechzigern eine Vorliebe gehabt und die Uniformen ihrer Bediensteten dementsprechend gestalten lassen. Ihm hatte sie gut gestanden, mit den einst dunkelblonden Haaren und den blauen Augen …

»Ich verachte den Tod nicht, Charly«, erwiderte sie. »Ich verehre ihn mehr als alles andere.« Sie erreichte die vorerst letzte Treppe und erklomm die ausladenden Stufen aus hellem Sandstein. Der untere Besprechungsraum diente bloß als weitere Vorsichtsmaßnahme. Wenn jemand schon diesen vermeintlich geheimen Raum entdeckt hatte, würde er nicht weitersuchen.

»Dann schick mich doch nicht jedes Mal weg! Lass mich mit nach oben kommen!«

»Nein, Charly. Das werde ich nicht.«

»Aber was soll ich denn dann tun?«

Ruckartig blieb Valentina stehen, als der Geist erneut vor ihr erschien. Er stand so nah, dass sie sich nicht an ihm würde vorbeidrängen können, ohne seine Gestalt zu berühren. Und sie hasste es, Geister zu berühren. Diese Welt mochte die Geister nicht beeinflussen, doch um in ihr sichtbar zu sein, entzog jedes Geisterwesen seiner Umgebung einen Teil Energie. Die damit einhergehende Kälte rief eins der ekelhaftesten Gefühle hervor, die Valentina je kennengelernt hatte. Charly wusste das. Und doch konnte er nicht von ihr lassen.

»Warum spukst du nicht ein wenig draußen am See herum?« Ein Lächeln fand den Weg auf ihre Züge. »Es ist beinahe Vollmond und recht warm. Sicher sind noch einige Paare unterwegs, die du beobachten kannst.«

»Am See?« Charly runzelte die Stirn. »Dort war ich lang nicht mehr.«

»Ich weiß, Charly. Es fällt dir schwer, zu gehen. Aber du liebst den Genfer See und die Fontäne, weißt du nicht mehr? Und du liebst, was du dort beobachten kannst. Es wird dich glücklich machen.«

Der Geist blinzelte. Sehnsucht trat in seinen leeren Blick. »Ja, der See … all die Liebe, all das Leben …«

»Genau, Charly.« Erleichtert betrachtete sie, wie er seine Entscheidung traf. Dies war sein Schwachpunkt: das Leben. Seitdem er das seine damals verloren hatte … Gut, das war vielleicht etwas zu sanft ausgedrückt. Seitdem Valentina gemeinsam mit Michail ihre Zähne in seinen Hals geschlagen und ihn somit unbedachterweise in die Geisterwelt gedrängt hatte, trieb Charly sein Unwesen hier bei ihr. Und beschwerte sich, wann immer er konnte, darüber, dass er selbst mehr oder weniger tot war.

»Hm, ja … Ich denke, ich …«

»Nun geh schon«, unterbrach sie ihn und nickte auffordernd. »Wenn du während der Dämmerung wiederkommst, darfst du bis zum Sonnenaufgang oben bleiben.«

Da erhellte sich Charlys Miene. »Oh ja! Dann verschwinde ich mal. Wir sehen uns später!«

Und schon verschwand er durch die Wand.

Kopfschüttelnd setzte Valentina ihren Weg fort. Sprunghaft und stur. Man könnte meinen, der Junge wäre bei seinem Tod zehn und nicht zwanzig gewesen. Sie konnte von Glück reden, dass sie ihn so gut unter Kontrolle hatte. Er hatte nie wirklich verstanden, was mit ihm geschehen war. Bis heute blieb er einfach in der Nähe seiner Mörder, ohne zu wissen, dass genau dieser Umstand sie auf ewig aneinander band. Valentina wusste dieses Band zu nutzen. So konnte sie ihn dazu bringen, sich nicht nur von Michail, sondern vor allem des Nachts von den oberen Etagen fernzuhalten. Das wäre nicht gut fürs Geschäft.

Auch am Ende dieses Ganges fand Valentina den Mechanismus, ohne hinzusehen. Die verborgene Tür öffnete sich lautlos und entließ sie in das, was sie der Einfachheit halber ihr Büro nannte.

Valentina trat auf der Rückseite des Raumes durch ein gewaltiges Gemälde, das sie nun wieder ins Schloss drückte. An der einzig geraden Wand aus grobem Stein standen zu beiden Seiten des geheimen Durchgangs zwei stählerne Kommoden. Genügend Stauraum für alle Dokumente, die sie guten Gewissens auch einmal aus den Augen lassen konnte. Im Zentrum des Büros standen sich zwei breite Ledersofas gegenüber, rechts davon ein Duplikat ihres Schreibtisches aus der unteren Etage, darüber und darauf etliche Monitore. Links eine gut bestückte Bar.

Valentina ging darauf zu. Sie zog eine der Flaschen samt Glas hervor und füllte es mit der farblosen Țuică, bevor sie an die massive Glasfront herantrat, die sich in einem Halbkreis von einem Ende des Raumes bis zum anderen zog, und auf ihre Welt hinabsah. Ihre dunkle Welt voller tanzender und trinkender magischer Wesen. Keine Hemmungen. Keine Regeln, außer der einen: Ihr Wort war Gesetz. Ihr Wort im weltweit bekanntesten Nachtklub für alles Nichtmenschliche, das etwas auf sich hielt. Le Dédain. Funkelnde Lichter zuckten über schwarz polierte Oberflächen, brachen sich in glänzendem Gold und blitzenden Kristallen. An acht Bars schenkten ihre Angestellten beinahe alles aus, um jedes der drei magischen Völker zufriedenzustellen. Im Zentrum der riesigen Tanzfläche drängte sich Fae an Afrit, Marid an Kobold und Sidhe an Vampir. Mit genügend Alkohol verschwammen hier die Grenzen der Völker und Gattungen. Natürlich hielten sich einige am Rand, saßen stumm auf einer der vielen Sitzgruppen und beobachteten das Geschehen teils unverhohlen skeptisch. Doch es würde nicht lang dauern, bis auch sie sich unter die Menge mischten. In dieser von Hass und Misstrauen durchzogenen Gesellschaft fernab der Menschen, gezeichnet von Krieg und Kampf und der Herrschaft der Mächtigen, widerstand niemand dem Drang nach Unbeschwertheit, Sorglosigkeit und kopflosem Vergnügen, wenn er es so deutlich vor Augen hatte. Niemand widerstand dem, was nur Valentina ihnen bieten konnte. Und sie gaben einiges dafür, es nicht mehr missen zu müssen.

Nachdenklich betrachtete sie all die ihr wohlbekannten Gesichter. Sogar einige Acephale drängten sich dort bei der dritten Bar, obwohl die kopflosen Geisterwesen die laute Musik kaum wahrnahmen und große Mengen sonst eher mieden. Valentina konnte das durchaus nachvollziehen. Würde auch sie die Weisheit der ungehörten Seelen verkörpern und diese in sich tragen, ohne jemals ein Wort verlieren zu können, stünden soziale Kontakte wohl weit unten auf ihrer Prioritätenliste. Ganz abgesehen davon, dass diese Gattung der Geisterwesen zwar keinen Kopf hatte, doch Augen und Nase auf der Brust trug und direkt in die Seele ihres Gegenübers zu blicken vermochte. Diese Fähigkeit machte die Sache mit den sozialen Kontakten nicht einfacher.

Langsam setzte sie das Glas an die Lippen und überschlug die Anzahl der Maride auf der Tanzfläche. Es waren mehr als üblich, wie immer an solch speziellen Tagen. Von einem angenehmen Brennen begleitet rann das Gebräu ihre Kehle hinab und hinterließ den typischen Nachgeschmack vergorener Pflaumen, den sie als Kind gehasst hatte. Heute vermittelte er ihr ein Gefühl von Ruhe, das sie nicht mehr oft …

»Herrin!«

… genießen konnte.

Langsam nahm sie einen weiteren Schluck der Țuică, bevor sie sich von der Scheibe abwandte, um dem ungebeten Eingetretenen einen kalten Blick zu schenken. Jean, einer jener menschlichen Sicherheitsmänner, die an den vorderen Toren den Schein der Normalität wahren sollten, bemerkte seinen Fehler gerade in diesem Moment. Zumindest deutete der einzelne Schweißtropfen auf seiner Stirn darauf hin.

»Herrin, ich …«

»Du hast mir etwas äußerst Wichtiges mitzuteilen?«

Jean nickte und biss sich auf die Lippe. »Es geht um den Vordereingang, Herrin, es … gibt Probleme.«

Ungeduldig klopfte Valentina mit den Nägeln gegen das kristallene Glas. »Drück dich deutlicher aus.«

»Es …« Hastig holte Jean Luft und strich sich das dunkle Haar aus der Stirn. »Eine Gruppe verlangt Einlass. Sie lassen sich nicht vertreiben. François sagte, darum würdet Ihr Euch … persönlich kümmern.«

Ihr klopfender Finger hielt inne. »Sagte er das?«, murmelte sie, leerte das Glas in einem Zug und stellte es klirrend zurück auf die Bar. »Dann werde ich das wohl tun.«

Mit langen Schritten durchmaß sie den Raum, hielt dicht vor Jean inne und hob eine Augenbraue, als ein unverwechselbarer Geruch an ihre Nase drang. Abschätzend legte sie den Kopf zur Seite und fixierte den Mann vor ihr, während die Bässe der Musik an ihre Ohren und in ihren Körper drangen. Sacht hob sie die Hand, legte einen Finger unter sein Kinn und strich über die feine Kruste einer frischen Verletzung an seiner Wange. Darunter pulsierte das Leben. »Du solltest davon absehen, in meinem Klub zu bluten, wenn du an deinem erbärmlichen Leben hängst«, raunte sie. »Es gibt Wesen, die meine Beherrschung nicht teilen.«

Kurz genoss sie den bodenlosen Schrecken in seinen Augen. Das Funkeln darin, das zitternde Pochen an seinem Hals. Dann trat sie zurück und stieg die Treppe hinab.

Flackernde Lichter tanzten durch das gesamte Areal, spiegelten sich in den metallenen Flächen und erschufen eine traumartige Atmosphäre. Dichte weiße Schwaden waberten über den Boden der Tanzfläche, verschluckten die Füße der Tanzenden. Das dunkle Leder der geschwungenen Sitzmöbel schimmerte im Schein der dahinter flackernden Kerzen, unzählige Kronleuchter funkelten an der Decke und warfen wilde Muster in die Nebelschwaden.

Unter dröhnenden Klängen wogte die Menge von einer Seite zur anderen und folgte der Melodie auf mehr oder weniger harmonische Weise. An keinem anderen Ort kamen all diese Wesen so dicht zusammen wie hier, unter ihrer Gewalt. Lichter Hof, Geisterwesen und Dschinn. Alle magischen Völker dieser Welt.

Sie musste die Arme nicht heben, damit die Gäste vor ihr zurückwichen. Sobald der Erste ihre wallende blutrote Mähne erkannte, breitete sich die Kenntnis ihrer Anwesenheit einer Welle gleich aus. Unzählige Blicke folgten ihr, während sie den Tanzsaal mit harten Schritten durchquerte.

Unwirsch schob sie den Vorhang aus kreisförmigen Metallplatten aus dem Weg, der den Eingangsbereich des Klubs von einem Großteil der Musik abschirmte. Valentina ging vorbei an den Stehtischen und der langen Garderobe, bis sie endlich das Hauptportal erreichte. Manchmal verfluchte sie all die Zeit, die sie in diesem Gebäude mit Laufen verbrachte. Andererseits … sie hatte keinen Grund, sich über den Mangel an Zeit zu beschweren.

Die am Eingang postierten Männer nickten ihr zu und zogen das deckenhohe Portal mit den prunkvollen Goldverzierungen für sie auf. Kühle Nachtluft wehte ihr entgegen und strich angenehm über ihre ohnehin eiskalte Haut. Das war auch schon die einzige Annehmlichkeit, die sie ihrem neuen Standort abgewinnen konnte. Ansonsten war es vor allem eines: laut. Der Lärm der nahen und auch um diese Zeit viel befahrenen Pont du Mont-Blanc verursachte ein Rauschen in ihren Ohren, bloß übertönt vom unablässigen Gerede der auf Einlass wartenden Menge. Eine zentrale Lage. Fluch und Segen zugleich.

»Hey, Lady! Können wir jetzt rein? Wir warten schon ewig!«

Stirnrunzelnd sah sie zu dem jungen Mann, der ihr diese Worte zugerufen hatte. Er stand ganz vorn in der meterlangen Schlange. Was war die beste Tarnung für einen Klub magischer Wesen? Richtig, ein Klub für Menschen in der oberen Etage. Keine der Behörden fragte weiter nach, wenn man eine halbwegs plausible Erklärung hatte – und für besonders beharrliche Beamte hatte sie ihre Leute.

»Herrin!« Ein durchaus beeindruckendes Exemplar der menschlichen Rasse trat auf sie zu, senkte den Kopf und schirmte sie von den Blicken der Jugendlichen ab. Die kurz geschorenen Haare und der massige Körper sprachen dafür, dass er den Aufgaben am Eingang eines Klubs gewachsen war. Glücklicherweise hatte François auch noch Köpfchen. Zumindest genug, um sich zu merken, wen er einlassen durfte und wen nicht.

»Ich bin untröstlich. Ich habe mein Möglichstes getan.«

»Dessen bin ich mir sicher, François.« Sie schenkte ihm ein wohlwollendes Lächeln, sah an ihm vorbei und erkannte das Problem mit einem Blick. »Es wäre von Vorteil, den vorderen Teil der Wartenden etwas … abzugrenzen.«

François nickte sofort und winkte jemandem, während Valentina sich zur Seite wandte. Undeutlich vernahm sie empörte Rufe, als weitere Sicherheitsleute was auch immer taten, um die Menschen von dem abzulenken, was sie ansonsten gleich sehen würden.

»Ihr könnt gehen«, wies sie die zwei Männer in weinroten Uniformen an, die das Problem mit erhobenen Händen davon abgehalten hatten, dem Eingang zu nahe zu kommen. Oder den Menschen. Wie man so wollte.

»Die ehrwürdige Valentina«, fauchte das offensichtlich größte Problem. Wie immer hatte er eine nette Gestalt gewählt. Groß, beinahe so breit wie François, blasse Augen. Dummerweise waren ihm die Gesichtszüge etwas verrutscht, und das im wörtlichen Sinne. Die rechte Wange hing ein gutes Stück zu weit Richtung Boden. »Wieso lässt man uns nicht ein? Du hast uns vor Jahren Zutritt zu deinem Klub gewährt! Was nimmt sich dieser Abschaum heraus, uns abzuweisen? Wir werden nicht –«

»Yasin, Yasin.« Beschwichtigend hob Valentina die Hände und kam kurz vor dem Angesprochenen zum Stehen. »Du weißt, ich schätze Widerstand nicht.«

»Widerstand? Wir erfüllen all deine Bedingungen! Es ist unser gutes Recht, hier unsere Geschäfte –«

»Das ist es nicht, Yasin.« Sie zwang sich zu einem Lächeln. »Es ist mein Recht, mit deinerlei zu verfahren, wie immer es mir beliebt. Und heute beliebt es mir nicht nach Ghulen.« Es war nicht so, dass sie an irgendeinem anderen Tag auch nur einen Moment in der Gegenwart der niedersten Dschinngattung verbringen wollte, aber das Geschäft ging vor. Für manche Aufträge waren höher gestellte Wesen einfach zu schade … dann schickte ein Teil ihrer Klientel gern diese aus Tod und Verderben geborenen, magisch unbegabten Gestaltwandler.

Yasin warf einen kurzen Blick zurück zu seinen sechs Begleitern. Bloß in der Valentina bekannten menschlichen Gestalt erhielten die Ghule Zutritt zum Le Dédain. An beinahe jedem Abend, wie alle anderen Gattungen auch. Doch von Zeit zu Zeit nahm sie es sich heraus, bestimmte Gruppen auszuschließen. Mal diese, mal jene, um auch ihre anspruchsvollsten Gäste glücklich zu stimmen. Manche Maride warteten stets auf die ghulfreien Abende. Wer konnte es ihnen verdenken.

»Wir haben etwas Geschäftliches zu erledigen, Valentina. Wir werden nicht gehen, ehe wir unseren Partner gesprochen haben.«

»Ah. Und hast du jemanden dort hinter dieser Tür, der deinen Partner zu dir rausbeordern könnte?«

Der Ghul runzelte die Stirn. Ein grotesker Anblick, zuvor war ihr gar nicht aufgefallen, wie missgestaltet auch die Stirnpartie war. »Natürlich nicht!«

Das hatte sie befürchtet. »Und du hast nicht vor, zu gehen, selbst wenn ich es befehle?«

Dieser Satz schien ihn etwas zu verunsichern. Dennoch hob er den Kopf. Vor seinen Begleitern blieb ihm wohl nichts anderes übrig.

»Pah! Befehle. Wir sind auf einer Straße, nicht in deinem Klub, und ich verlange eine vernünftige Erklärung dafür, dass du uns gerade heute Abend –«

Er sah den Schlag nicht kommen. Mit voller Wucht traf Valentinas geballte Faust auf seine missgebildete Wange, schleuderte seinen Kopf zur Seite und prägte den Umriss ihres Familienringes in die dunkle Haut. Noch bevor der Dschinn sich fangen oder gar seine Gestalt wechseln konnte, lag ihre andere Hand an seinem Unterarm und riss diesen so ruckartig zur Seite, dass er taumelte und zur Seite gekippt wäre – hätte nicht gleich darauf ihr Absatz seine Hüfte getroffen.

Ein dumpfes Keuchen entwich Yasins Kehle, als er das Gleichgewicht verlor und nach hinten fiel. In aller Ruhe griff Valentina an ihren Gürtel und zog ihren Dolch. Die kurze Klinge schimmerte silbern im fahlen Licht des Mondes und war von gräulichen Linien durchzogen.

Benommen blinzelnd setzte der Ghul sich auf und war einen Atemzug später schon wieder auf den Beinen. Wut schimmerte in seinen Augen. »Wie kannst du es wagen! Das verstößt gegen –«

Mit zwei Schritten war sie bei ihm, umschloss seine Kehle mit einer Hand und hob ihn vom Boden. Seine Gestalt begann zu flimmern. »Du bist nicht der Erste deines Volkes, der in diesem Punkt falsch informiert ist.«

Yasins Augen weiteten sich, als er den Dolch und das verräterische Schimmern der Klinge entdeckte. Er umklammerte ihre Hand an seinem Hals und bohrte die Nägel in ihre Haut, als sie sich zu ihm vorbeugte.

»Ich brauche mich nicht zu erklären, Yasin«, raunte sie in sein Ohr. »Nicht hier, nicht vor dir oder sonst jemandem. In meinem Klub ist mein Wort Gesetz.«

»Bitte …« Der Ghul rang nach Luft, starrte auf den Dolch und begann zu zittern. »Das ist … doch nicht nötig. Wir verschwinden, Valentina. Lass uns einfach ver–«

Ihr Seufzen unterbrach ihn. »Es tut mir wirklich leid, Yasin.« Das tat es wirklich. »Aber niemand untergräbt meine Autorität, ohne dass sein Kopf rollt.«

Routiniert trieb sie die Klinge durch Fleisch und Knochen, ohne den Blick von Yasins Gesicht abzuwenden. Der Atem des Ghuls stockte, als das Silber seine Wirkung entfaltete. Kurz zeigten sich die grauen Spuren des Cadmiums an den Wundrändern, dann erfasste ein seichter Schimmer die Klinge, griff auf den Körper über – und löste ihn auf. Yasins Hülle fiel von ihm ab und hinterließ nichts als das verrottete Gerippe, das er einmal gewesen war. Die Knochen polterten zu Boden, direkt vor die Füße seiner Begleiter.

Ruhig senkte Valentina den Arm. Sie triumphierte nicht beim Anblick von Yasins Ende. Es war, wie sie zu Charly gesagt hatte: Sie verehrte den Tod mehr als alles andere, und manchmal verfluchte sie es, dass er zu ihrem Wesen gehörte wie der Donner zur Kraft des Gewitters. Doch das änderte nichts daran, dass manche Tode notwendig waren – und dass sie nicht zögern würde, ihren Dolch ins Herz einer jeden Seele zu stoßen, die sich ihr in den Weg stellte. Sie tötete, wenn es nötig war. Auch wenn es sie nicht erfüllte. Schon lange nicht mehr.

Sie warf einen letzten sehnsuchtsvollen Blick auf den inzwischen so selten gebrauchten Dolch und ließ ihn zurück in seine verzierte Hülle gleiten. Diese Waffe hatte sie in den beinahe sechshundert Jahren ihres Lebens begleitet und würde es bis zu ihrem Ende tun.

»Wie kannst du es wagen!«

Was fanden nur alle an diesem Satz? Valentina sah auf und begegnete den feurigen Blicken der übrigen Ghule. Sie hatten kaum noch Gewalt über ihre Gestalt, verdrehte Hörner und verformte Gliedmaßen flimmerten unter der menschlichen Hülle.

»Verfluchte Vampirin!«

Das brachte Valentina zum Lächeln. Mehr als ein toter Ghul war nicht nötig, um ihren Ruf zu wahren und die anderen zu vertreiben. Ruhig wandte sie sich um und vernahm noch im selben Moment die sich entfernenden Schritte der unerwünschten Gäste.

»Ihr wisst ja gar nicht, wie recht ihr damit habt.« Im Gehen hob sie die Hand und beorderte einen der anderen Türsteher zu Yasins verrottenden Überresten. Dann durchschritt sie das geöffnete Portal und kehrte zurück in ihr Reich der Dunkelheit.

Drakes Bar #3 – Weihnachtsfeier (mit Sivan)

Da Melody einen kleinen Weihnachtsfimmel hat, muss natürlich auch in Drakes Bar gefeiert werden … und dazu hat er ganz tolle Gäste eingeladen 😀
Fröhliche Weihnachten euch allen ❤

Drake-mit-ThekeMit dabei sind neben Sivan aus „Tochter der Träume“ noch Gabe aus „Das Vermächtnis der Engelssteine“ von Saskia Louis, Allison aus „Just another Try“ von Kathi BKathi B. und Carim aus „Carim Drachentöter“ von Lena Knodt.

#DrakesBar – Heute: #Weihnachtsfeier!

Heyho, ihr alle! Mann, Mann … Ich hasse Schnee. Ekliges Zeug, immer so matschig. Und jetzt ist die ganze Straße voll davon! Ätzend. Immerhin sind die Gäste schon da … Ja, ihr habt richtig gehört. Gäste. Ist ja Weihnachten. Melody liebt Weihnachten. Ich nicht. So viel Stress. Den ganzen Morgen hab ich hier schon dekoriert – was für ein blödes Wort! – und bin immer noch nicht fertig. Jetzt ist sie neuen Glühwein kaufen und hat mir hier so ‘ne Liste dagelassen. Die darf ich mit den Leuten da drüben jetzt abarbeiten, um „in weihnachtliche Stimmung zu kommen“. Haha. Das wird bestimmt ganz, ganz toll. Ich nehm noch diese Kiste mit und dann …25626123_830017337179187_5282019005867583653_o

Drake: *kommt aus dem Hinterzimmer und stellt einen großen Umzugskarton auf den Tresen* „Hey, yo, bewegt euch alle mal hier rüber und helft mit. Und ja keinen Ärger machen! Melody will das so, also machen wir das! “

Allison: *Steht von ihrem Stuhl auf und kommt zum Tresen herüber* „Die Kiste ist ja riesig … Sieht so aus, als hätte Melody dich ganz schön gut im Griff, wenn sie dich zwingen kann, die ganzen Weihnachtsvorbereitungen allein zu treffen …“

Carim: *knurrt unwillig und steht von seinem Barhocker auf* „Mithelfen? Wieso das? Reicht denn das ganze Glitzerzeug an der Decke nicht?“

Gabe: *runzelt die Stirn* „Wo ist der Alkohol? Mir wurde gesagt, es gibt Alkohol.“

Allison: „Eh, Leute … sind denn nur Weihnachtsmuffel hier?“ *schüttelt ungläubig den Kopf und langt gleichzeitig über die Theke, um eine Flasche Wodka hervorzuholen* „Bei Alkohol bin ich übrigens ganz vorne mit dabei.“ *winkt mit der Flasche* „Na, wer will auch was?“

Sivan: *verschränkt die Arme vor der Brust und beäugt die Flasche* „Solang das alles dadurch erträglicher wird … schenk nur ein.“ *wirft einen Blick zu Gabe* „Und nimm für den Kleinen dort ein größeres Glas. Dann ist er schneller still.“

Drake: „Nein, nein, nein!“ *nimmt Allison kopfschüttelnd den Wodka aus der Hand* „So was gibts heute nicht. Auf meiner Liste steht …“ *räuspert sich und zieht einen Zettel hinter der Theke hervor* „… heiße Schokolade oder Glühwein trinken und Bratäpfel essen. Also trinken wir hier nur heiße Schokolade oder brennenden Wein, ist das klar?!“

Allison: *guckt mit großen Augen zu Drake und zieht einen Schmollmund* „Aber in heißer Schokolade ist kein Alkohol … Hast du Baileys da? Jede heiße Schokolade wird mit Baileys besser.“ *schielt zur Theke rüber* „Drake, wir brauchen Alkohol, sonst wird der Trauerhaufen da drüben keine bessere Laune bekommen. Schau dir doch nur mal ihre Gesichter an!“ *weist mit einer Hand zu Sivan, Gabe und Carim*

Drake: *fuchtelt mit der Liste herum* „Wir machen alles genau so, wie es hier steht!“ *folgt ihrem Blick zu den drei unweihnachtlich gestimmten Kerlen* „… aber du hast recht. Kippen wir irgendwas Süßes in die Schokolade, dann wird das schon.“ *verkriecht sich hinter die Bar, stellt die Maschinen an und werkelt herum*

Gabe: *schnappt sich den Zettel, der immer noch auf der Theke liegt und überfliegt ihn* „Na prima, das hört sich ja nach drei Stunden Zeitverschwendung an.“ *sein Blick schweift zu Carim* „Und warum zum Teufel bist du halbnackt? Schon mal was von Hygienevorschriften gehört?“

Carim: *schaut hilflos auf den Zettel und zuckt dann mit den Schultern, schaut Gabe von der Seite her an* „Was willst du von mir? Ich bleibe halt gerne beweglich für die Drachenjagd.“ *stemmt die Hände in die Seiten* „Also, was ist jetzt mit gebratenen Äpfeln und brennendem Wein?“

Allison: „Meine Güte, hier ist ja ne Bombenstimmung. Hoffentlich zündet niemand ein Streichholz an, sonst geht alles in die Luft …“ *nimmt ihre Tasse und nippt an ihrem Kakao* „Hm, Drake, Rum, das ist ne bessere Idee als Baileys. Knallt schneller und bei dem Testosterongehalt brauchen wir genau so eine Mischung.“ *schnappt sich die Liste* „Ah, Baum schmücken … das ist doch schon mal ein Anfang. Wo sind denn die Christbaumkugeln?“ *kramt in der Kiste* „Hier! Perfekt! So, wer will den Baum schmücken?“ *dreht sich um und schaut in ratlose Gesichter* „Oh Honeys, es ist Weihnachten, jetzt guckt nicht alle so grimmig. Habt ihr denn noch nie Weihnachten gefeiert?“

Drake: „Jaja, los!“ *Kippt seinen Kakao, verzieht das Gesicht, drückt Sivan, Gabe und Carim einen Becher in die Hand und läuft zur Kiste*

Carim: *nippt an seinem Becher* „Weihnachten? Nie gehört.“ *geht hinüber zu Allison und mustert kritisch den nackten Weihnachtsbaum und dann auf die Kugeln in Allisons Hand* „Wo ist der Sinn, einen abgeschlagenen Baum mit Kugeln zu behängen?“ *kratzt sich am Kinn*

Allison: „Ist das dein Ernst, Carim? Du hast noch nie was von Weihnachten gehört?“ *zieht ungläubig die Augenbrauen in die Höhe* „Okay Schnucki, du brauchst eindeutig einen Crashkurs.“ *klatscht in die Hände* „Weihnachten ist das Fest der Liebe. Das heißt, du zeigst den Leuten, die du magst, dass du sie gernhast. Dafür wäre ein Lächeln schon mal ziemlich gut. Nein, nicht so ein schiefes, da kriegt man ja Angst, dass du wen umbringen willst … “

Sivan: *stellt sich zu Carim und hebt eine Augenbraue* „Und um diese Liebe zu zeigen, müssen wir einen toten Baum behängen.“

Gabe: *schaut skeptisch zu Allison und grummelt* „Fest der Liebe … Wohl eher Fest der Lüge. Und der Baum sieht zumindest lebendiger aus als du, Sivan. Hast du in letzter Zeit auf deinen Schönheitsschlaf verzichten müssen?“

Sivan: *hebt auch die andere Augenbraue* „Entschuldige, mancher Mann hat noch Wichtigeres zu tun als bloß mit einem Dolch zu … könnte man das schon kämpfen nennen? Ich bin wirklich nicht sicher …“

Carim: *schaut Allison böse an* „Ich mag aber keine Leute. Also werde Ich auch niemandem ein Lächeln schenken müssen.“ *packt in die Kiste und zieht ein Knäul Lametta hervor* „Kommt Leute, lasst uns das hinter uns bringen.“

Gabe: *guckt ebenfalls in die Kiste und nimmt Baumschmuck heraus, den Engelsfiguren bricht er den Kopf ab und lässt sie mit einem „Ups“ zu Boden fallen, die anderen verteilt er wahllos an den Baum* „Wollt ihr vielleicht mal helfen?“ *Guckt auffordernd zu Allison und Sivan*

Sivan: „Aber natürlich.“ *nimmt einen großen Engel heraus und hängt ihn direkt über Gabe an die Spitze des Baumes* „Wunderschön.“

Allison: *blinzelt überrascht mit den Augen und beobachtet die Szene fassungslos* „Leute, Leute, Leute! Was ist denn nur los mit euch? Ihr braucht wohl alle einen Crashkurs, was Weihnachten angeht!“ *geht zum Baum und sammelt die kaputten Sachen wieder ein* „Man hängt die Sachen heile an den Baum, Gabe. Und obendrauf kommt ein Stern, ne Schleife oder sowas in der Art. Hier, das Teil.“ *drückt Sivan eine Tannenbaumspitze in die Hand* „Die sind extra dafür gemacht. Siehst du?“

Gabe: *hebt die Augenbrauen* „Ich mag es, dass du unserer Wildkätzchen hier“ *nickt zu Sivan* „korrigierst, aber mir fällt es sehr schwer, mich mit deiner guten Laune zu arrangieren. Ich dachte, das solltest du wissen.“

Drake: *sieht das Drama kommen, rennt zur Keksdose und drückt Gabe und Sivan welche in die Hand* „So, alle schön Kekse essen, das macht glücklich. Und wagt es ja nicht, die nicht zu mögen. Hab ich selbst gebacken!“ *streckt stolz die Brust raus* „So, hier ist noch die Lichterkette. Carim, legst du die oben rum, ich komm da nicht dran …“

Carim: *nickt und fixiert den Baum, hebt die Kette und schwingt sie kurz wie ein Lasso, lässt los und die Kette landet mehr schlecht als recht im Baum* *dreht sich zu Drake um* „Fertig. Krieg ich jetzt auch sowas? Arbeit macht hungrig.“ *zeigt auf die Kekse*

Drake: *betrachtet die Kette kritisch, hebt dann die Schultern* „Wenn Melody meckert, sag ich, dass du das warst.“ *steckt den Stecker ein, sodass der Baum in weihnachtlichem Licht erstrahlt und hält Carim die Keksdose hin* „Da. Nimm.“

Allison: *betrachtet missmutig den unschön geschmückten baum* „Um diesen Abend zu überstehen, brauchen wir wohl alle mehr Alkohol. Wo ist denn Melody? Sie wollte doch Glühwein holen oder nicht?“ *zeigt vorwurfsvoll auf ihre Tasse* „Hier, die ist leer. Wo ist der Nachschub?“

Carim: *nimmt sich einen Keks und verkrümelt sich auf einen Barhocker*

Melody: *kommt pfeifend zur Tür rein und schüttelt den Schnee von den Schultern* „Fröhliche Weeeeihnach…“ *Bleibt wie erstarrt stehen, runzelt die Stirn* „Was … Was habt ihr denn mit dem Baum gemacht?“

Drake: *wird blass* „Ähm … Ach, Melody, die kennen Weihnachten doch nicht. Besser haben die’s nicht hingekriegt.“ *Läuft zu ihr, nimmt die zwei Einkaufstüten* „Ich zünde den Wein an! Bin sofort wieder da!“ *Verschwindet im Hinterzimmer*

Sivan: *sieht skeptisch in Melodys Richtung* „Deinetwegen tun wir all dies?“

Melody: *zieht ihre Jacke aus und geht zum Baum rüber* „Meinetwegen? Aber nein. Weihnachten ist das Fest der Liebe, Sivan. Man feiert im Kreise der Familie und enger Freunde, verbringt einen gemütlichen Abend miteinander und verschenkt schöne Dinge.“

Gabe: *geht zum Türrahmen, nimmt einen Mistelzweig davon weg und hält ihn über Carim und Sivan* „Apropos Fest der Liebe … Unsere Tradition besagt, dass ihr euch nun küssen müsst. Jeder, der diese Regel verweigert, stirbt einen grausamen Tod. Ich weiß, es klingt makaber, aber so ist es nun einmal Brauch. Und ihr wollt doch die Normen unserer Kultur nicht verletzen?“

Carim: *dreht sich zu Sivan um und schaut ihm tief in die Augen* „Ich mag deine Schwerter, das muss ich dir zugestehen. Aber ich bevorzuge hübschere Frauen.“

Sivan: *erwidert den Blick ungerührt* „Wie wunderbar. Ich bevorzuge den grausamen Tod.“ *sieht zu Gabe* „Ob es der meine ist, wird sich noch zeigen …“

Allison: *dreht sich kopfschüttelnd um und geht in Richtung Küche* „Wenn ihr geklärt habt, wer hier wen knutscht oder einen Kopf kürzer macht, sagt bitte Bescheid … ich geh mal gucken, ob ich Drake in der Küche helfen kann, falls mich jemand sucht.“

Drake: „Schon gut Leute, der Wein brennt gleich!“

Melody: *sieht ungläubig auf* „Der Wein br…“

*BOOOOOOM!!!*

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Drake: *streicht sich den Ruß von der Stirn und streckt die Hände näher zum Lagerfeuer* „Tut mir echt leid, Leute … Ich wollte ja wirklich nur Glühwein machen …“

Allison: *fängt lauthals an zu lachen* „Das ist ja ne Feier… hier ist ne Bombenstimmung! Merry Christmas, Leute, echt … “

Gabe: *grinst* „Vielleicht wird das heute Abend doch gar nicht so langweilig. Du hast da Dreck im Gesicht, Sivan … Oh, entschuldige. Das ist deine Nase.“

Carim: *seufzt und schaut in die qualmende Küche* „Also wars das mit dem Wein?“

Melody: *steht auf und entfernt sich vom Licht des Lagerfeuers*

Sivan: *lehnt sich zurück und verschränkt die Arme hinter dem Kopf* „Ich kann mir gerade einige schönere Dinge vorstellen, als Wein zu trinken. Mir genügt der Becher für eine leichte Wurfübung …“

Drake: „Oh, Mann … Was für eine tolle Party.“

Melody: „Die Party ist noch nicht vorbei, Drake!“ *Kommt wieder und reicht jedem der Anwesenden eine Weinflasche mit Schleife dran* „Eure Geschenke.“ *Setzt sich neben Drake und streckt die Hände dem Feuer entgegen* „Frohe Weihnachten.“

Drakes Bar #2 (mit Sivan)

Der kleine blaue Dämon Drake ist eines der Maskottchen des Eisermann-Verlags und hat sich vor Kurzem eine Bar gekauft. In diese kehren nun immer mal wieder einige Charaktere aus den verschiedensten Büchern ein … Heute gibt es einen Männerabend. Da konnte Sivan natürlich nicht Nein sagen 😉

Drake-mit-ThekeViel Spaß mit Falkoth aus „Bluthund“ von Julia Lalena Stöcken, Carim aus „Carim Drachentöter“ von Lena Knodt und Ames aus „Verfluchtes Blut“ von Samy Hale 🙂

#DrakesDonnerstag – Heute: #DrakesBar – Männerabend!

Heyho, ihr alle! Heute wird’s hier mal so richtig männlich! Ich musste gestern mit Melody diesen blöden Film schauen, mit dem großen Schiff, das irgendwo gegengefahren ist. Wie blöd muss man eigentlich sein, so ein riesiges Ding … na, da sollte ich mich nicht weiter drüber aufregen.

Auf jeden Fall hat sie total geheult und das waren mir viel zu viele … Frauen-Emotions-Teile für einen Abend. Also hab ich mir heute mal nur Kerle rangeholt! Jaja. Und in der Bar die Straße runter spielen die immer so ein komisches Spiel. Das machen wir jetzt auch. So richtig männlich halt!

Drake: *kommt aus dem Hinterzimmer gehuscht und läuft gleich auf die vier Kerle zu, die abwartend am Tresen sitzen* „Heyho, Jungs! Nicht so faul da, ich hab den Mist hier doch nicht umsonst aufgebaut. Na los, kommt schon, hoch da, jetzt wird gespielt!“ *gestikuliert ganz aufgeregt zu der hinter dem Tresen aufgebauten Tischtennisplatte*

Ames: *springt motiviert auf und geht auf den Tisch zu* „Los, Männer, ich bin bereit euch alle in den Boden zu stampfen!“

Sivan: *nimmt in aller Seelenruhe noch einen Schluck Bier, stützt die Ellbogen auf den Tresen und heb eine Augenbraue in Falkoth‘ Richtung* „Und, großer Krieger? Bist du vollkommen motiviert?“

Falkoth: *wird kreidebleich und nickt in Richtung Tischtennisplatte* „Was soll das denn sein? ‚Ne Streckbank?“ *lächelt matt* „Da bin ich raus.“

Carim: *runzelt die Stirn* „Als ob, ich sehe keine Winde.“ *nimmt seine Cola und geht einen Schritt auf den Tisch zu* „Das ist sicher wieder irgendein Spiel, dass uns der Dämon da aufzwingen will.“

Drake: *stemmt empört die Arme in die Hüften* „Hey! Der Dämon nimmt hier viel auf sich, um euch – und sich – einen tollen Abend – ohne Mädelskram – zu ermöglichen! Und jetzt kommt endlich her. Zwei rechts, zwei links. Gibt auch Alkohol.“

Falkoth: *schnaubt* „Nur ein Spielchen, ja? Also schön.“ *stemmt sich von der Theke hoch und knurrt leise:* „Und nachher fehlt mir ein Auge.“

Sivan: *erhebt sich ebenfalls* „Das könnte dich auch nicht mehr hässlicher machen.“ *geht zu Drake rüber und positioniert sich auf einer Seite der Tischtennisplatte*

Falkoth: *grinst* „Sagt der Richtige. Carim – Du, ich, ein Team?“

Carim: *nickt* „Du hast die richtige Wahl getroffen.“ *stellt sich neben Falkoth an die Platte und beäugt die Becher* „Die sind ja mit Bier gefüllt.“

Sivan: *beäugt Ames misstrauisch* „Verträgst du viel, Junge?“

Ames: *grinst hämisch und sieht Sivan gleichzeitig stolz an* „Mehr, als du von mir erwartest. Ich wurde geboren, um mich dem himmlischen Gesöff hinzugeben!“

Sivan: *nickt ausdruckslos* „Gute Voraussetzungen. Also, Dämon, wie soll dieses Spiel ablaufen?“

Drake: *Räuspert sich und positioniert sich zwischen den Teams* „Okay, hört zu! Ihr nehmt diese Bälle …“ * gibt je einen an Carim und Ames* „… und werft sie über die Platte. Wenn ein Ball in einem der Becher des anderen Teams landet, muss einer von denen ihn austrinken.“

Falkoth: *schmunzelt* „Ah, langsam gefällt mir das.“

Ames: *sieht seinen Partner siegessicher an* „Wir sind bereit, nicht mein Freund?“

Falkoth: „Halt’s Maul und wirf!“

Sivan: *blinzelt irritiert und wendet sich dann von Ames ab* „Freund …“

Ames: *verdreht die Augen, wirft locker aus der Hand heraus und trifft* „Schluck.“

Drake: *nickt Carim zu* „Los, Drachentöter. Erster für dich.“

Carim: *verzieht das Gesicht, nimmt den Becher und trinkt ihn in wenigen Zügen aus*

Sivan: *klatscht zweimal langsam in die Hände und fixiert dann Falkoth* „Komm schon, Hündchen. Zeig mal, wie du werfen kannst.“

Falkoth: *verengt die Augen und nimmt Carim den Ball aus der Hand, holt aus, wirft und pfeffert den vollen Becher vom Tisch, sodass das Bier in alle Richtungen spritzt* „Huch, das war wohl etwas zu fest. Verzeih, Sivan, jetzt ist deine Hose ganz nass – scheinbar beherrsche ich dieses Spiel nicht besonders gut.“

Drake: *hustet leise* „Ähm, also … das gibt einen Strafbecher. Wenn ich das schon putzen muss damit Melody nicht meckert, müsst ihr immerhin noch einen trinken!“

Falkoth: *todernst* „Trink, Carim!“

Ames: *grinst und trinkt einen Becher aus. Sieht die Blicke der anderen* „Was? Sollte ich nicht trinken?“

Drake: *zuckt die Schultern* „Na ja, der eine Becher ist gefallen, also mach ruhig. Ich hab ja genug Bier da.“

Carim: *will widersprechen, nimmt dann aber den Becher* „Meinetwegen. ich muss dich ja schützen, nicht dass du am Ende unterm Tisch liegst.“ *zwinkert Falkoth zu und trinkt*

Falkoth: „Ah, ein Witzbold.“ *lehnt sich herausfordernd zu Ames vor und knurrt: „Der war aber für meinen Freund hier!“

Sivan: *lächelt leicht* „Allerdings. Carim braucht ganz dringend noch einen vollen Becher.“ *hebt eine Augenbraue in Drakes Richtung* „Na los, Dämon. Die übrigen Becher gehören zum Spiel.“

Falkoth: *nimmt kurzerhand noch einen Becher und schiebt ihn zu Carim* „Trink, Carim!“

Drake: *huscht schnell hinter die Bar und kommt mit einem weiteren Becher zurück, reicht ihn Carim und wischt sich den Schweiß von der Stirn – in gebührendem Abstand zu Falkoth* „Genau, trink, Carim!“

Sivan: *greift nach dem auf dem Boden liegenden Ball und reicht ihn wortlos an Ames weiter*

Carim: *will sich lässig auf der Tischplatte abstützen, was nicht ganz so elegant gelingt* Eigentlich verabscheue ich Bier. Aber das hier schmeckt doch ziemlich gut. *nimmt erst Drakes Becher und dann Falkoth und trinkt sie beide leer*

Sivan: *besieht sich Carims Getorkel ganz genau* „Faszinierend. Tötet Drachen und verträgt nichts.“

Ames: *legt den Kopf zuerst fragend zur Seite, bevor er den Ball wirft und Carims Stirn trifft* „Ups, das tut mir aber sooo leid!“

Sivan: „Ich denke, das zählt dennoch.“ *schaut auffordernd zu Drake* „… nicht wahr?“

Drake: *wird blass* „Ähm … ja klar! Manchmal zählen auch … Körpertreffer.“

Falkoth: *verschränkt die Arme vor der Brust und mustert Carim kopfschüttelnd* „Deinetwegen verlieren wir noch.“

Sivan: *greift lächelnd nach zwei Bierbechern und reicht einen an Ames* „Ich denke, wir haben gewonnen.“

Ames: *nimmt ihn ehrfürchtig entgegen und verbeugt sich* „Es war mir eine Freude, dein Partner sein zu dürfen, Kumpel.“

Falkoth: „Noch ist nichts vorbei!“ *packt Carims zitterndes Handgelenk und drückt dessen Finger fest um den Ball, bis er nicht mehr herausrollt* „Stell dir vor, es wären alles Drachen. Und jetzt metzel sie nieder!“

Carim: *schaut Falkoth verstehend an und nickt* „Keine Sorgen! Drachen töten … das kann isch!“ *holt mit dem Ball aus wie mit einem Handball, springt nach vorne, pfeffert ihn über den Tisch und fällt auf die Tischtennisplatte, die mit Getöse zusammenbricht*

Drake: *schlägt die Arme über dem Kopf zusammen* „NEIN! Ey! Ihr Idioten! Ihr könnt doch nicht einfach alles kaputt …“

Carim: *stöhnt auf dem Boden*

Ames: *verschränkt schulterzuckend die Arme hinter dem Kopf*

Sivan: *verschränkt die Arme vor der Brust*

Falkoth: *dreht sich wortlos zur Theke und leert einen Becher Bier*

Drake: *sieht noch kurz zwischen den vieren hin und her – verdreht dann die Augen und schlägt sich die Hand gegen die Stirn* „Okay. Schon klar. Ich mach sauber. Ihr bedient euch. Wisst ja, wo ihr was findet …“

Drakes Bar #1 (mit Sivan)

Der kleine blaue Dämon Drake ist eines der Maskottchen des Eisermann-Verlags und hat sich vor Kurzem eine Bar gekauft. In diese kehren nun immer mal wieder einige Charaktere aus den verschiedensten Büchern ein … und bei Bier ist Sivan natürlich immer mit dabei.
Drake-mit-Theke.pngIch wünsche euch ganz viel Spaß mit Sivan, Gabriel aus „Vermächtnis der Engelssteine“ von Saskia Louis, Eirik aus „Bluthund“ von Julia Lalena Stöckenund Emma aus „Physis“ von Sophie Hilger. Ich habe alle drei Bücher gelesen und geliebt 😉

#DrakesDonnerstag – Heute: #DrakesBar – Bier, Bier, Bier.

Heyho, ihr alle! Kommt rein, kommt rein, Drakes Bar hat gerade zum ersten Mal geöffnet und die ersten Gäste sind schon da. Huh, ich bin ja gar nicht nervös. Sehen ganz friedlich aus, meint ihr nicht? Gut, der Däne ja nicht so. Aber solang der nur Bier trinkt und mir nichts kaputt macht dafgvsfdc(Melody wird so schnell sauer!), ist ja alles gut. Ich geh mal wieder zur Theke, muss schon wieder nachfüllen …

Eirik: *zieht geräuschvoll die Nase hoch* „He, Junge. Muss man hier tanzen, um noch ein Bier zu bekommen?“

Sivan: *nickt schweigend, schiebt seinen leeren Krug ein Stück vor und lehnt sich zurück, um den Blick abschätzend über die anderen Gäste schweifen zu lassen*

Drake: *huscht gerade hinter die Theke zurück* „Na, immer mal ruhig geblieben. Bin ja schon da.“

Emma: *Betritt die Bar, mustert die Anwesenden, ihr Blick trifft den von Sivan, dann huscht er hinüber zur Bar* „Also normalerweise sehe ich blaue Teufelchen erst NACH ein paar Gläsern Whisky …“

Gabe: *sitzt an Theke neben Sivan und wendet sich zu Drake* „Ich hätte gerne was zu trinken.“ *gestikuliert zu Sivan* „Irgendetwas, was ihn schöner macht. Absinth vielleicht.“

Eirik: *schnauft erheitert* „Na, das kann ja lustig werden …“ *lehnt sich erwartungsvoll auf den Tresen*

Sivan: *dreht den Kopf ganz langsam zu Gabe und hebt eine Augenbraue, sieht dann wieder zu Drake* „Ich glaube nicht, dass der Jungspund hier überhaupt schon etwas zu trinken bekommen sollte. Das könnte …“ *nimmt den neuen Bierkrug betont langsam entgegen* „… böse enden.“

Emma: *schlendert lässig zu den beiden hinüber, stellt sich zwischen sie, schnappt sich den Krug und zwinkert Sivan zu* „Er zu jung, du zu langsam – gut für mich!“ *prostet den beiden zu, nimmt vier tiefe Züge und knallt den Humpen wieder auf die Bar* „Danke, Jungs! Und du bist hier wohl der Barkeeper, oder wie?“ *mustert Drake mit verschränkten Armen*

Drake: *wird kurz blass, verschränkt dann auch die Arme und funkelt Emma an* „Aber so was von! Meine Bar, meine Regeln! Also … kein Ärger, ja?!“

Sivan: *schmunzelt* „Das würde uns doch niemals in den Sinn kommen.“ *schaut zu Emma* „Und ihr bestimmt auch nicht, wenn sie noch ein Bier bekommt. Genau …“ *nimmt Drake den Krug aus der Hand, den er gerade zu Gabe schieben wollte* „… perfekt.“ *stellt ihn zu Emma und schenkt ihr ein umwerfendes Lächeln*

Gabe schnaubt. „Ärger? Wer macht Ärger?“ *nimmt Emma das Bier weg, trinkt einen Schluck und stellt es ihr wieder vor die Nase* „Scheint nicht vergiftet zu sein.“ *sieht zu Eirik* „Woher kommst du eigentlich? Du siehst sehr nordisch aus. Gehilfe des Weihnachtsmanns?“

Eirik: *wischt sich grinsend den Schaum von den Lippen und richtet sich an Gabe* „Vielmehr Gehilfe des Bluthunds. Und du? Bist du vom Himmel gefallen und hast dir dabei den Kopf angeschlagen, oder wie?“

Gabe: *zieht eine Grimasse* „Den Himmel sieht man bei uns eher selten. Köpfe werden allerdings genug an- und eingeschlagen. Aber meinem geht es gut. Danke der Nachfrage.“

Emma: *setzt den Bierkrug an, schlürft die letzten Schlucke aus dem Gefäß und dreht sich auf der Hacke* „Die Party hier ist mir ein bisschen zu abgefahren, Leute. Haltet die Ohren steif, ich bin weg.“ *legt einen Schein auf den Tresen und verlässt die Bar*

Gabe: „Was sagt man dazu, deine Wirkung auf Frauen hat wieder zugeschlagen, Sivan. Darauf trink ich einen. Wer trinkt mit?“

Sivan und Eirik *brummen einvernehmlich und schieben ihre Krüge vor*
Drake: *atmet erleichtert auf, zapft schnell neues Bier und beobachtet die verbliebenen Gäste, die leise zu plaudern beginnen* „Puh, gerade noch mal gut gegangen …“

Aber was nicht ist, kann ja noch werden!

Das Vermächtnis der Engelssteine – Sivan & Gabe 2

Wie versprochen hier der zweite Teil des Crossovers von „Tochter der Träume“ und „Das Vermächtnis der Engelssteine“. Jetzt wird es ernst! Viel Spaß dabei 🙂


[Hauptquartier der Todesengel, Trainingsraum. Ein trüber Samstagabend (das mit dem Macarena hat leider nicht geklappt, da Tarin nicht tanzen kann). Die Todesengel sind dem Kampfeslärm begeistert gefolgt.]

Sivan (wirft einen prüfenden Blick auf das am Rand stehende Publikum, zieht seine Schwerter): Ich wäre bereit.

Gabe (schnaubt laut): Wir sind hier doch nicht im Mittelalter. Hier wird nicht mit Schwertern gekämpft!

Sivan (hebt eine Augenbraue): Sondern?

Gabe (zieht einen Diamantdolch)

Sivan (lächelt diabolisch): Ah. Damit habe ich auch einmal angefangen.

Gabe (macht Anstalten, auf ihn loszugehen)

Belao: Leute! Heute wird nicht getötet, das soll ein Übungskampf werden! Ohne Waffen und ohne Fähigkeiten.

Tryn (stürzt nach vorn und will nach den Waffen greifen): Ich halte das. Ich hab schon immer gesagt, dass Todesengel mit Schwertern kämpfen sollten!

Sivan (gibt ihr widerstrebend seine Waffen): Dieses Mädchen gefällt mir.

Gabe: Natürlich tut sie das, sie ist eine Katzenliebhaberin!

Sivan (hebt auch die andere Augenbraue und atmet tief ein)

Belao (geht in die Mitte): Manchmal wundert es mich nicht, dass die Engel uns umbringen wollen. Sie müssen Gabe getroffen haben.

Gabe: Komplimente kannst du mir später machen. Fangen wir an, oder was?

Sivan (verschränkt die Arme vor der Brust): Wann immer du es möchtest.

Gabe (verschränkt die Arme vor der Brust): Na, dann komm mal her, mein Kätzchen. Wenn du brav bist, kriegst du ein Wollknäul.

(beide bleiben stehen und sehen sich an)

Belao: Ich wusste, da war ein Fehler bei dem Ganzen. Jungs, ihr könnt nicht beide ewig stehen bleiben, bis der andere kommt.

Gabe (seufzt): Was soll’s. (lässt seine Knöchel knacken, rennt auf Sivan zu)

[Sivan geht in die Knie, Gabe stoppt vor ihm und hebt den Arm, Sivan blockt den Schlag ab und tritt ihm in die Kniekehle, Gabe legt ihm die Hand in den Nacken und sendet einen Kraftschlag, bevor er fällt]

Sivan (runzelt die Stirn): Sollte das wehtun?
Gabe (greift nach seinem Bein, sendet einen stärkeren Kraftschlag): Wie ich sehe, muss ich dich nicht schonen!

Sivan (lacht leise, als Gabe wieder aufspringt): Ich dich wohl auch nicht. (schlägt erneut nach ihm)

Gabe (greift nach seinem Arm und legt fast seine ganze Energie in den Kraftschlag)

Sivan (knurrt leise, sinkt auf ein Knie): Und auch hier legst du die Regeln aus, wie sie dir gefallen. (seine Augen beginnen, gelb zu glühen) Soll ich jetzt UNO rufen?

Gabe (lacht, geht etwas zurück): Du darfst es auch schnurren, wenn du möchtest!

Sivan (springt auf, streckt die Arme vom Körper, an seinen Händen erscheinen lange Krallen): Wie wäre es, wenn ich erst einmal dafür sorge, dass du nie wieder irgendetwas sagst?

Belao (seufzt): Ach, das haben schon so viele versucht …

[Gabe und Sivan gehen drohend aufeinander zu, die Tür schlägt auf]

Ella (sendet ihren Schild aus und stößt beide gleichzeitig gegen die Wand): Gabe! Ich hab dir doch gesagt du sollst aufhören, andere Leute sexuell zu belästigen!

Leyna (kommt hinter ihr in den Trainingsraum): Soviel dazu, seine Kräfte nur dann zu nutzen, wenn es nötig ist …

Gabe (reibt sich stöhnend die Stirn): Seit wann kannst du denn zielen?

Sivan (die Krallen verschwinden): Es war nötig. Glaube mir.

Ella: Er hat höchstwahrscheinlich Recht. Gabe löst Dinge in einem aus …

Leyna (schüttelt ungläubig den Kopf): Vielleicht sollte er mir zeigen, wie er das geschafft hat.

Gabe (grinst): Oh, das war ganz einfach. Du musst sein Fell nur in die entgegengesetzte Richtung bürsten und dann …

Sivan (knurrt laut, seine Augen beginnen intensiv zu glühen –)

[Gabes und Sivans Blick wird starr, sie lassen den Kopf auf die Brust sinken und scheinen zu schlafen.]

Leyna (lässt den Arm sinken und verdreht die Augen): Entschuldigt. Ich dachte, ein Nahdrin hier unten könnte …

Ella: Oh mein Gott! Das musst du mir unbedingt zeigen!

Leyna (lacht): Das könnte schwierig werden. (erlöst Gabe und Sivan mit einer Handbewegung aus dem Traum)

Sivan (reibt sich mit düsterer Miene die Schläfen)

Gabe (sieht Leyna böse an, wirft die Hände über den Kopf): UNO! (verlässt den Raum)

[Leyna und Ella werfen sich einen fragenden Blick zu]

Leyna: Uno?

Tarin (steckt den Kopf zur Tür herein): Uno? Wer hat gewonnen?

***

Na, wer hätte eurer Meinung nach gewonnen?

Wenn Gabe und Ella euch jetzt so richtig angefixt haben (wie mich damals), könnt ihr ihre gesamte Geschichte hier bestellen. Saskia freut sich immer über einen Besuch auf ihrem Blog, oder auch über eine persönliche Nachricht 🙂

Bluthund – Sivan & Falkoth

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„Bluthund“ von Julia Lalena Stöcken

Im Rahmen einer Valentinstags-Aktion sind Sivan und Falkoth aus „Bluthund“ von Julia Lalena Stöcken aufeinandergetroffen. Gemeinsam mit der Bloggerin Michelle möchten sie … etwas Passendes vorbereiten. Viel Spaß dabei 😀


Langsam erhebt sich die warme Frühlingssonne über die hohen Baumwipfel. Der Tag ist noch jung, und doch sind unsere Lieblingsprotagonisten schon mit den Nerven am Ende. Denn der Valentinstag steht vor der Tür und sie haben sich vorgenommen, etwas ganz Besonderes zu machen – wenn sie schon in einer anderen Zeit gelandet sind, muss das doch genutzt werden! Da die beiden aber nicht so viel Erfahrung in Sachen Romantik haben … *hust* … hat ihnen eine liebe Freundin ihre Hilfe angeboten. Unabhängig voneinander. Na so ein Mist.

Schauplatz: Eine weite Lichtung im dichten Wald, unweit vom Standpunkt der sagenumwogenen Zeitmaschine. Abgelegen, ruhig, sonnig, romantisch … da fehlt ja eigentlich nur noch das Streichorchester. Nicht wahr?

Sivan: *steht mit verschränkten Armen noch im Schatten der Bäume verborgen und besieht sich diesen wundersamen Ort missmutig. Schüttelt seufzend den Kopf, sieht der Sonne entgegen – ist natürlich pünktlich.*
„Warum, in aller Götter Namen, habe ich mich nur darauf eingelassen …“

Falkoth: *tritt auf die Lichtung*
„Bin ich etwa als erstes hier?“
*Sieht sich um*
„Wo bleibt dieses Weib?“

Sivan:*tritt im selben Moment aus dem Schatten hervor und erstarrt*
„Was zum …“ *mustert Falkoth abschätzend und hebt eine Augenbraue*

Falkoth: *fährt herum*
„Was zum …“
*mustert Sivan abschätzend und hebt eine Augenbraue*

Sivan: *runzelt die Stirn, das ist schließlich sein Move! und verschränkt die Arme vor der Brust. Beschließt, konstruktiv zu schweigen* 

Falkoth: „Was willst du hier, Kerl?“
*verengt die Augen*
„Oder bist du etwa Michelle?“
*verzieht spöttisch die Lippen*
Zu sich selbst: „Ah, ich sollte mich nicht auf solche geheimen Treffen einlassen – nie kommt da etwas Gutes bei heraus …“

Sivan: „Kerl?“
*betrachtet den anderen mit ungerührtem Blick*
„Wenn dort, wo du herausgekrochen bist, ‚Michelle‘ als Männername gilt, kehre lieber schnell wieder dorthin zurück. Vielleicht bringt man dir da auch noch bei, dir gewisse unpassende Bemerkungen zu verkneifen. Das könnte schließlich ungut ausgehen.“
Zu sich selbst: „Was will dieser Kerl denn von Michelle? Ach, hätte ich das Ganze doch gelassen …“

*Falkoth: *sein Mundwinkel zuckt, wie von selbst gleitet seine Hand zum Heft seines Schwerts*
„Pass auf was du sagst, sonst schneide ich dir gleich mal einen aussagekräftigeren Ausdruck ins Gesicht, mein Freund!“

Sivan: *hebt die Arme und umfasst die Griffe seiner Doppelschwerter*
„Na komm, mein Kleiner, schau, wie weit du kommst …“

Michelle: *kommt langsam den Hügel hochgekrochen mit ihren zwei Körben gefüllt mit Dekorationszeug*
„Ach herrjeh, ihr seid ja schon da! Willkommen, willkommen in unserem heimischen Wald.“
*bekommt große Augen*
Oh toll, ihr habt eure Schwerter dabei, die können wir später sicher gut gebrauchen, um die Äste zurückzuschneiden. Aber ihr wisst sicherlich, dass es hier nicht erlaubt ist, mit Schwertern und Waffen aufeinander los zu gehen, wir wollen das Fest der LIEBE vorbereiten, nicht das Fest des Mordes !“

Falkoth: *wollte gerade die Klinge ziehen und seufzt enttäuscht*

Sivan:*tritt enttäuscht einen Schritt zurück, kann sich aber zum Glück gleich auf seine Wut konzentrieren* „Wir?“ *mustert Michelle ausdruckslos*

Falkoth: „Heißt das, du hast den Kerl da auch eingeladen?“ *zieht eine Grimasse*

Michelle: *denkt sich: „Na, da hab ich ja zwei stattliche Herrn zur Hilfe bekommen. Und gleich so voller Tatendrang.“*
„Ja, wir ! Und ja, ich habe euch beide eingeladen, darum sind es ja auch zwei Kisten.“
*drückt gleich mal Falkoth eine in die Hand und die Andere bekommt Sivan vor die Brust gedrückt*
„Ich bin übrigens Michelle und wie ich sehe, habt ihr euch schon bekannt gemacht. Da ihr ja nun gut bekannt seid, könnt ihr sicherlich auch als Team super zusammenarbeiten.“
*schaut die beiden abwechselnd aber durchbohrend an*
„Auf der einen Seite müssen wir diese Lichtung mit Lichterketten und Herzballons schmücken. Auf der anderen brauche ich die Girlanden und Lampions.“

Sivan: *greift reflexartig in die Kiste, blinzelt einige Male und wirft einen ungläubigen Blick auf den Inhalt*
„Team.“
*ist der Meinung, nicht mehr dazu sagen zu müssen und mustert Falkoth noch einmal*

Falkoth: *starrt auf eine endloslange rote Papierherzchenkette und knurrt leise*
Und das soll einer Frau gefallen?“
*beobachtet verstohlen Sivans Reaktion auf den Inhalt der Kiste*
Also schön …“

Michelle: *lächelt* „Oh ja, in unserer Zeit und hier mögen wir Frauen das.“

Sivan: *greift mit einer Hand unter die Kiste und hebt mit spitzen Fingern einen rosafarbenen Lampion heraus, traut seinen Augen kaum und sieht kurz zu Falkoth*
„Richtig. Also schön …“

Michelle: *Nimmt einen Lampion heraus und faltet ihn auseinander*
„Schaut, das wird wie eine Kugel und da kommt dann ein Licht rein, aber vorher müssen wir sie da oben an den Ästen des Baumes befestigen. Und dazu brauch ich euch, denn leider war keine Leiter aufzufinden.“
*seufzt*

Falkoth: „Also …“
*dehnt das Wort in die Länge und nickt Sivan kaum merklich zu*

Sivan: „Also …“ *neigt den Kopf zur Seite und erwidert Falkoths Blick*

Falkoth: „Wir könnten sicherlich eine Leiter auftreiben … oder, Sivan?“

Sivan: *nickt langsam und äußerst zuversichtlich* 
„Eine Leiter. Sicher. Zu dritt werden wir viel … schneller sein.“

Falkoth: *verengt die Augen*
„Oder zu zweit. Dann kann Michelle hier schon alles vorbereiten … so wie Frauen es mögen.“

Michelle: *schaut verwirrt von einem zum anderen*
„Ihr wisst aber, was eine Leiter ist, oder?“

Falkoth: *Selbstredend.*
„In meiner Zeit gibt es vortreffliche Leitern.“
*grinst höhnisch*

Michelle: *schaut skeptisch und murmelt: Ich bin mir nicht sicher ob wir beide gerade von derselben Art Leiter reden*
„Ich meine eine Holzleiter, aus Stöcken gefertigt, zum an den Baum lehnen und hochklettern.“

Sivan: *kann sich ein Grinsen nicht verkneifen*
„Danke für die Erklärung. Ich für meinen Teil kam bisher auch sehr gut ohne eine … Leiter aus.“

 Falkoth: *spannt die Muskeln an, zieht geräuschvoll Luft in seine Nase*
„Ich weiß sehr wohl, wie eine Leiter aussieht, Mädchen.“

Michelle: „Okay, bevor wir nun noch lange reden, sollten wir die Dekoration befestigen.“
*schnappt sich ein paar Girlanden zieht sie auseinander und drückt ein Ende Sivan in die Hand und das andere Falkoth.*
„Geht bitte an die zwei Bäume da und befestigt mir das dort. Danke!“

Falkoth: *stapft zum nächsten Baum und knüllt das Ende der Girlande in eine Astgabel*
„Ich bin fertig.“

 Sivan: *tut es Falkoth gleich, geht zu Michelle zurück*
„Und dafür bin ich tatsächlich hierhergekommen …“

Falkoth: *lächelt schwach* „Nun, sie hätte es nicht ohne uns geschafft.“

Michelle: „Ach du lieber Himmel … das lief nicht ganz so wie gedacht, ihr habt es ja kaputt gemacht!!“
*nimmt die nächste Girlande raus und nimmt eine Schlaufe und hängt sie an einen Ast und geht mit dem anderen Ende zu einem anderen Ast*
„So sollte das eigentlich am Ende aussehen.“

Falkoth: *überhört Michelle und klopft Sivan auf die Schulter*
„Gut, dass wir ihr helfen konnten, jetzt lass uns irgendwo was trinken gehen.“

Sivan: *schaut kurz skeptisch auf die Hand und hebt dann die Schultern*
„Richtig, wir haben gute Arbeit geleistet. Den Rest schaffst du doch sicher allein, Michelle, das wäre wunderbar …“

Michelle: *setzt sich an einen Baum und starrt auf die Kisten*
„Ich glaube morgen ist ein langer Tag für mich.“
*ruft den beiden ironisch hinterher:* „Hey Jungs wollt ihr ein Bier ? Ich glaub, das habt ihr euch verdient.“

Falkoth: *wendet sich an Sivan*
„Du kennst dich doch hier aus, oder?“

Michelle:  „Ja, den Rest schaff ich allein.“ *flüstert leise vor sich hin*  „Ich glaube, dann bin ich eh schneller fertig als mit euch beiden!“

Sivan: „Natürlich. Ich rie… weiß, wo wir was Ordentliches bekommen.“

Falkoth: *grinst* „Du gefällst mir immer besser, Sivan!“

Falkoth: „Bis bald, Michelle“ *hebt die Hand zum Gruß* „Wenn du mal wieder Hilfe brauchst-“ *bricht ab* „nein, lieber nicht.“

Michelle: *denkt sich: „Danke für die nicht vorhandene Hilfe und …“
„Kommt ja gut heim..! “ *hoffentlich schnell… *

Sivan: *nickt Michelle kurz zu*
„Du hast uns wirklich … ach was. Lassen wir diesen ganzen Mist. In Mirandor interessiert das niemanden..“

Falkoth: „Meine Rede, Sivan, in meiner Zeit wird das anders gehandhabt.“

Michelle: *gönnt sich nun erst mal gemütlich etwas zu trinken, stellt sich leise Musik an und bringt wenigstens noch einen Teil der Deko an die Bäume an.*
„Den Rest schaff ich irgendwie morgen.“
*murmelt vor sich hin und ruft dann den beiden hinterher*
„Übrigens, Jungs! Zur Schänke geht’s Links den Berg runter! Da, wo der Metallhaufen ist, einfach rein da, ist zwar etwas eng  .. aber wenn ihr nacheinander rein geht, wirds schon klappen.“
*rennt ihnen hinterher um sie wieder sicher in ihre Bücher zurück zu schicken*

***

Neugierig geworden? Den „Bluthund“ könnt ihr hier bestellen, ich kann euch nur sagen: es lohnt sich!

Das Vermächtnis der Engelssteine – Sivan & Gabe 1

Engelssteine Cover + KT
„Das Vermächtnis der Engelssteine – Blutopal“ von Saskia Louis

Was passiert, wenn die Charaktere aus „Tochter der Träume“ in unsere heutige Welt reisen … und dort auf die Todesengel aus „Das Vermächtnis der Engelssteine“ von Saskia Louis treffen? Lest selbst und findet es heraus … viel Spaß! 🙂


[Quartier der Todesengel, Akashas Büro. Ein trüber Samstagnachmittag. Die Gäste aus Mirandor sollen etwas Menschliches lernen.]

Gabe (lehnt sich im Stuhl zurück und verschränkt die Hände im Nacken): Pokern ist ganz simpel. Du hast zwei Karten und kombinierst sie mit den anderen auf dem Tisch. Wenn du zwei rote und drei schwarze Karten hast musst du „UNO!“ rufen und gewinnst das Spiel.

Tarin (greift nach einem der Chips und dreht ihn in der Hand): Und wozu haben wir diese bunten Teile?

Gabe: Damit darfst du die anderen abwerfen, wenn du gewinnst.

Sivan (beginnt zu lächeln und sieht zu Gabe): Wie fest darf ich denn werfen?

Gabe (grinst ihn an): Versuch erstmal, mich zu treffen, alter Mann.

Belao (schlägt sich eine Hand über die Augen): Gabe, hör auf so einen Mist zu erzählen. Wir wollen nur spielen!

Gabe (erklärt seufzend die richtigen Regeln): Tarin, du fängst an.

Tarin (hat nicht zugehört, sondern die Bücherregale angestarrt): Sollten die Todesengel nicht eigentlich böse sein?

Gabe (verdreht die Augen): Wir sind böse. Ich gerade zumindest. Und sollten Priester nicht eigentlich enthaltsam leben?

Sivan: Gehört das Reden zum Spiel? Wenn nicht, sehe ich schwarz für dich.

Belao (haut auf die Tischplatte): Leute! Ich hab sonst nie frei, versaut mir nicht meinen Abend! (Teilt die Karten aus) Small Blind 20. Big Blind 40. Setzen!

Tarin (runzelt die Stirn): Wir sitzen doch schon.

Sivan (leise lächelnd): Er möchte, dass du deinen ersten Chip nach ihm wirfst.

Tarin (greift nach einem roten Chip): Das Spiel kommt mir seltsam vor. (wirft ihn)

Gabe (fängt den Chip): Unsere Welt, unsere Regel. Danke, das ist dann mein Blind.

Belao (stütz den Kopf in die Hände): Wir hätten die Mädels nicht wegschicken sollen. Die haben euch immerhin unter Kontrolle.

Sivan und Gabe (heben gleichzeitig eine Augenbraue)

Tarin (lacht und wirft einen Chip nach Sivan): Können wir jetzt anfangen? Ich will dieses UNO!

Sivan (legt den Chip von Tarin nach vorn und nimmt seine Karten hoch): Und ich will das hier schnell hinter mich bringen.

Gabe (nimmt seine Karten): Ich bin ganz deiner Meinung. Manche von uns brauchen vielleicht noch ihren Auslauf. Oder müssen hinterm Ohr gekrault werden.

Sivan (sieht ihn spöttisch an): Manche von uns sollten wissen, wann sie den Mund halten sollten.

Gabe: Ehrlich mal, Lao.

Belao (deckt kopfschüttelnd die ersten drei Karten auf): Oh, das wird nichts werden.

Tarin (beugt sich zu Sivan hinüber): Sivan! Wie unfair, du hast einen UNO! Du musst deine Chips nach ihm werfen!

Sivan (sieht Tarin ausdruckslos an): Das darfst du gern übernehmen, wenn du möchtest. Ich hole das später mit etwas anderem nach. Wenn ich meinen … Auslauf hatte.

Tarin (nimmt einen Stapel Chips in die Hand und wirft sie in die Luft)

Gabe (lächelt): Ich rufe Ella an, damit sie Leyna herschickt. Vielleicht hält sie ja deine Leine.

Sivan: Ich hätte eine gute Idee, wie wir uns bis dahin die Zeit vertreiben können.

Belao (stöhnt): WIR TANZEN DEN MACARENA!

***

Das war Teil 1 dieses Crossovers – Teil 2 gibts hier!
Neugierig geworden? „Das Vermächtnis der Engelssteine – Blutopal“ ist Teil 1 der Reihe und zum Beispiel hier bestellbar 🙂
Schaut doch auch mal auf Saskias Blog vorbei.

Verflixte Flüche – Tarin & Niko

Voll verschlafen Cover + KT.jpg
„Verflixte Flüche – Voll verschlafen“ von Julia Bohndorf

Die Charaktere aus „Verflixte Flüche 2 – Voll verzwickt“ von Julia Bohndorf haben den Weg nach Mirandor gefunden. Niko und das schokoladensüchtige Eichhörnchen Jens treffen in Onamdra auf Tarin und Urs – aber lest selbst 😀

Das Eichhörnchen Jens stürzte sich quietschend von der Rückenlehne des Sofas auf Nikos Schulter. Der junge Mann zuckte vor Schreck zusammen und verlor den Cookie aus der Hand. Der Nager presste die Hinterbeinchen in sein T-Shirt und die Haut darun-ter, katapultierte sich im hohen Bogen hinter dem Gebäckstück her und jauchzte be-geistert. Auch Niko sprang auf und beide hechteten über Henriettes Wohnzimmertisch. Sie fegten die Tasse, einen Dekoschwan und ein buntes Windlicht auf den Teppich. Es klirrte und polterte, während das Nagetier und der junge Mann auf den Keks zurobbten.
„Was ist denn …“, fragte die weise Frau angespannt und erschien im Türrahmen der Küche. Ihr Blick verdüsterte sich und sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Jens erreichte den Cookie zuerst, doch als er ihn endlich mit beiden Pfötchen berühr-te, packte Niko ihn am buschigen Schwanz. Sofort setzte das Eichhörnchen zur Ge-genwehr an, verlor dabei das Objekt seiner Begierde und trat mit den Beinen nach den Fingern des Verfolgers.
„Raus aus meinem Haus!“, rief Henriette verärgert. „Am besten verschwindet ihr dorthin, wo das Sonnenkraut wächst!“ Sie vollzog eine schwungvolle Handbewegung, während der andere Arm Richtung Tür deutete. Dabei stoben grüne Funken auf und eine über-mächtige Macht zerrte an den beiden und schleuderte sie auf einen roten Platz, umringt von bunten Blumen, unzähligen Marktständen und unmittelbar vor die Füße eines blon-den Mannes.
„Urs, lass das liegen! Das hatten wir doch schon, du musst die Sachen kaufen!“
„Jaja, schon klar. Kaufen, kaufen, kaufen. Laangweilig, dauert viel zu lang. Nein, lass … Lass mich los! Elender Priester!“ „Wir gehen jetzt zurück, Urs. Wir haben alles und … Huch!“ Tarin hielt mitten in der Bewegung inne und sah überrascht zu Niko herab. „Ent-schuldigt! Ich habe Euch gar nicht gesehen … Seid Ihr verletzt?“ Sofort beugte er sich vor und streckte dem seltsam gekleideten Mann eine Hand hin. „Ach, lass den doch. Fallen tun die hier alle dauernd. Kauf mir lieber noch eine von diesen süßen kleinen Kugeln da hinten, wenn du schon bezahlen willst und …“
„Pscht“, zischte der Blonde mit einem deutlich gezwungenen Lächeln. „Er sieht dich doch nicht …“
Niko sah auf und hob eine Augenbraue, während ihm Jens` Schwänzchen entglitt. Der Nager flitzte über das buckelige Pflaster auf die Lederhose des Fremden zu und kletterte daran empor. Der orientierungslose Mann stand auf und sah dabei zu, wie Jens auf der Schulter des Unbekannten Platz nahm und wild mit den Pfötchen gestiku-lierte. Sein Fiepen klang aufgeregt und Niko hob eine weitere Braue. „Hallo, ich bin Niko und das Eichhörnchen dort hat keine Tollwut, auch wenn es danach aussieht und sich erst recht so anhört.“
Mit einem nicht zu überhörenden Kreischen sprang Urs auf die kurzen Beine und brach-te seinen knallroten, felligen Körper in die Luft. „Hey, hey, hey, was soll denn das? Nimm das Ding weg!“ Auch in Tarins Blick standen gemischte Gefühle, doch bei ihm überwog eindeutig die Neugierde.
„Eichhörnchen?“, wiederholte er und streckte zögerlich einen Finger nach dem Fell aus, dessen Farbe sich kaum von der seiner Hose unterschied. Solch ein Wesen hatte er hier in Mirandor noch nie gesehen.
„Ja, Eich-hörn-chen“, sagte Niko besonders langsam und schaute zwischen dem Na-menlosen und Jens hin und her. „Ähm, ich geb dir einen guten Rat: Ignorier den Nager nicht. Der wird richtig sauer, wenn man ihn nicht ernst nimmt und gerade will er etwas von dir oder deinem Ohr, ich bin mir nicht sicher.“ Er strich sie die brauen Locken aus dem Gesicht und klopfte den Staub von der Jeans.
„Eich-hörn-chen“, wiederholte Tarin erneut und drehte den Kopf, um das inzwischen auf seiner Schulter sitzende Wesen weiter betrachten zu können. Doch er erhaschte kaum einen Blick auf die runden, kleinen Augen, da sprang das ‚Eich-hörn-chen‘ auch schon in seine blonden Haare. Was es da wollte, war nicht nur ihm sofort klar.
„Es will mich töten! Es will mich töten! Aaaah!“ Urs‘ Flügel schlugen wie wild, als er kreischend höher stieg und damit die Aufmerksamkeit einiger umstehender Händler auf sich zog – die ihn ja nicht einmal sehen konnten.
Niko trat vor den Typen, der ihm einfach seinen Namen verschwieg, und streckte die Arme aus. Ein seltsames Summen brummte an seinem linken Ohr vorbei, was ihn kurz-zeitig an seinem Vorhaben, Jens aus den Haaren des seltsamen Kerls zu ziehen, hin-derte. Jens krallte sich daran fest und der blonde Mann zuckte und verzog das Gesicht. Diesmal brummte es an Nikos rechtem Ohr und er schlug wild durch die Luft, während Jens triumphieren die wiedergewonnene Freiheit feierte und sich auf die Hinterpfötchen stellte.
„Aaah!“ Getroffen trudelte Urs zu Boden und Tarin konnte gerade noch die Hand aus-strecken, um seinen kleinen Freund aufzufangen. Der blieb jedoch nicht lang auf seiner Handfläche liegen, sondern sprang gleich wieder auf und deutete anklagend auf den fremden Mann mit den langen Haaren, der sich als … Niko? Ja, als Niko vorgestellt hat-te. „Siehst du? Die arbeiten zusammen! Lauf, Tarin, lauf, die gehören doch zum König!“
Kopfschüttelnd legte Tarin eine Hand um den felligen Bauch des kleinen Varnirs und sah Niko entschuldigend an. „Verzeiht, mein kleiner Freund ist manchmal etwas … auf-brausend.“
„Aufbrausend? Aufbrausend! Du hast sie doch … Vorsicht, das Ding kommt!“
„Welcher kleine … Freund?“, fragte Niko und sah sich gründlich um. In der Gasse war niemand außer ihnen drein und diesen fiesen Insekten.
Jens löste sich aus den strubbeligem Haar und flitzte auf den Arm hinab zu der Hand, die der Typ so komisch hielt. „Alles okay mit dem zarten Patschepfötchen?“, scherzte er und sah plötzlich einen quietschroten, fellig wirkenden Punkt auftauchen und promt wieder verschwinden. „Was war das? Bist du ein Zauberer? Gut oder böse?“
Niko verdrehte die Augen aufgrund seiner dämlichen Frage, doch dieser Ort war ma-gisch und gefährlich.
Tarin konnte ein nervöses Lachen nicht unterdrücken und sah sich unsicher um. Noch immer starrten einige der Menschen, die sich auf dem Marktplatz in Onamdra drängten, zu ihnen hinüber. „Lasst uns doch mal da in die Richtung gehen“, murmelte er, verstärk-te seinen Griff um Urs‘ Bauch und zog den Fremden Niko einfach am Arm hinter sich her in eine der Seitenstraßen. Dann hob er beide Hände auf Augenhöhe und sah Urs streng an. „Dass du nicht einmal den Mund halten kannst! Wir sollten nur Vorräte kau-fen! Und was machst du? Schreist herum und legst dich mit einem Eich-hörn-chen an!“
„Hab gar nichts gemacht. Das Ding hat angefangen.“
„Das stimmt doch gar nicht!“
„Und ob!“
Es wurde immer abgefahrener. Wo, verdammt noch mal, hatte Henriette ihn hinge-schickt …
Der Typ sprach tatsächlich mit seinen Handflächen. Niko beugte sich nach vorn und besah sich den Handrücken, warum auch immer. „Jens, komm mit!“ Kurz überlegte er, ob es sich wohl um einen Zauberspruch handeln könnte, doch: ‚Dass du nicht einmal den Mund halten kannst! Wir sollten nur Vorräte kaufen! Und was machst du? Schreist herum und legst dich mit einem Eich-hörn-chen an!‘, klang wenig zauberhaft. Jens hüpf-te auf das rote Pflaster und kam, mit einem argwöhnischen Blick Richtung Himmel, auf ihn zu. Als das Nagetier anhielt, schnaufte Niko ungehalten und wandte seine Aufmerk-samkeit erneut den Handflächen zu. Wieder leuchtete ein roter, dicker Punkt auf, mit Augen, Fühlern und einem Mund. Niko stockte der Atem, als es blinzelte, aufgeregt: „das Ding“ sagte und zornig zu Jens über die Handfläche schielte. Dann waren die Handflächen wieder leer und er rieb sich die Augen. „Was hältst du da fest?“
Tarin öffnet den Mund, um diesem Niko einzureden, dass da gar nichts war – sah dann aber ein, dass das wohl keinen Sinn hatte. Seufzend hob er Urs etwas dichter vor Nikos Gesicht. „Das ist Urs. Ein Varnir. Du kannst ihn wahrscheinlich nicht sehen, weil du kei-ne Magie in dir trägst. Was man von deinem Eich-hörn-chen wohl nicht behaupten kann. Er … Urs, was soll das, lass mein Sonnenkraut los!“
„Ein Vampir?“ Niko legte den Kopf leicht zur Seite und beobachtete das Armband des fremden Kerls, welches plötzlich zuckte. Dann lachte er. „Ich dachte, die vertragen kei-ne Sonne. Und glaub mir, ich trage Magie in mir, wenn auch nicht viel. Und Urs ist die-ses rote, dicke Fellhäufchen?“ Jens sprang auf Nikos Schulter und beäugte das Arm-band nun ebenfalls. Die Sekunden, die er auf eine Antwort des noch immer Namenlo-sen wartete, verstrichen und Jens quietschte meckernd, wackelte mit dem megabuschi-gen Schwänzchen und hielt dabei Nikos Tunnel umklammert. Und als ob das nicht rei-chen würde, begannen seine Fußsohlen seltsam zu kribbeln und wurden taub.
„Ein Varnir“, wiederholte Tarin und konnte die Begeisterung kaum aus seiner Stimme bannen. „Genau, sein Fell ist rot. Du hast doch bestimmt schon von ihnen gehört, dass sie Gold mit sich herumtra… hey, ist alles in Ordnung? Was …“ Doch weiter kam er nicht, denn plötzlich war die Luft erfüllt von einem seltsamen grünen Schimmer und … etwas Funkelndem. „Oooh …“ Mit glänzenden Augen streckte Urs eine kleine Hand nach den glitzernden, grünen Partikeln aus, doch da waren sie auch schon wieder ver-schwunden. Genau wie Niko und sein Eich-hörn-chen. „Hä?“
Selten hatte Urs eine Situation so treffend beschrieben wie diese. „Wo sind sie denn hin?“, murmelte Tarin und sah sich um, suchte nach der Magie seiner Umgebung und spürte doch nichts als den roten Stein Onamdras. „Weg. Weg, das gefällt mir“, stellte Urs fest und erhob sich grinsend in die Luft, bevor er eine Augenbraue hob und noch einmal näher zu Tarin heranflog. „Lass uns das bloß niemandem erzählen. Männer mit Löchern in den Ohren und gruselige kleine Dinger. Das glaubt uns doch niemand.“

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