Verflixte Flüche – Tarin & Niko

Voll verschlafen Cover + KT.jpg
„Verflixte Flüche – Voll verschlafen“ von Julia Bohndorf

Die Charaktere aus „Verflixte Flüche 2 – Voll verzwickt“ von Julia Bohndorf haben den Weg nach Mirandor gefunden. Niko und das schokoladensüchtige Eichhörnchen Jens treffen in Onamdra auf Tarin und Urs – aber lest selbst 😀

Das Eichhörnchen Jens stürzte sich quietschend von der Rückenlehne des Sofas auf Nikos Schulter. Der junge Mann zuckte vor Schreck zusammen und verlor den Cookie aus der Hand. Der Nager presste die Hinterbeinchen in sein T-Shirt und die Haut darun-ter, katapultierte sich im hohen Bogen hinter dem Gebäckstück her und jauchzte be-geistert. Auch Niko sprang auf und beide hechteten über Henriettes Wohnzimmertisch. Sie fegten die Tasse, einen Dekoschwan und ein buntes Windlicht auf den Teppich. Es klirrte und polterte, während das Nagetier und der junge Mann auf den Keks zurobbten.
„Was ist denn …“, fragte die weise Frau angespannt und erschien im Türrahmen der Küche. Ihr Blick verdüsterte sich und sie verschränkte die Arme vor der Brust.
Jens erreichte den Cookie zuerst, doch als er ihn endlich mit beiden Pfötchen berühr-te, packte Niko ihn am buschigen Schwanz. Sofort setzte das Eichhörnchen zur Ge-genwehr an, verlor dabei das Objekt seiner Begierde und trat mit den Beinen nach den Fingern des Verfolgers.
„Raus aus meinem Haus!“, rief Henriette verärgert. „Am besten verschwindet ihr dorthin, wo das Sonnenkraut wächst!“ Sie vollzog eine schwungvolle Handbewegung, während der andere Arm Richtung Tür deutete. Dabei stoben grüne Funken auf und eine über-mächtige Macht zerrte an den beiden und schleuderte sie auf einen roten Platz, umringt von bunten Blumen, unzähligen Marktständen und unmittelbar vor die Füße eines blon-den Mannes.
„Urs, lass das liegen! Das hatten wir doch schon, du musst die Sachen kaufen!“
„Jaja, schon klar. Kaufen, kaufen, kaufen. Laangweilig, dauert viel zu lang. Nein, lass … Lass mich los! Elender Priester!“ „Wir gehen jetzt zurück, Urs. Wir haben alles und … Huch!“ Tarin hielt mitten in der Bewegung inne und sah überrascht zu Niko herab. „Ent-schuldigt! Ich habe Euch gar nicht gesehen … Seid Ihr verletzt?“ Sofort beugte er sich vor und streckte dem seltsam gekleideten Mann eine Hand hin. „Ach, lass den doch. Fallen tun die hier alle dauernd. Kauf mir lieber noch eine von diesen süßen kleinen Kugeln da hinten, wenn du schon bezahlen willst und …“
„Pscht“, zischte der Blonde mit einem deutlich gezwungenen Lächeln. „Er sieht dich doch nicht …“
Niko sah auf und hob eine Augenbraue, während ihm Jens` Schwänzchen entglitt. Der Nager flitzte über das buckelige Pflaster auf die Lederhose des Fremden zu und kletterte daran empor. Der orientierungslose Mann stand auf und sah dabei zu, wie Jens auf der Schulter des Unbekannten Platz nahm und wild mit den Pfötchen gestiku-lierte. Sein Fiepen klang aufgeregt und Niko hob eine weitere Braue. „Hallo, ich bin Niko und das Eichhörnchen dort hat keine Tollwut, auch wenn es danach aussieht und sich erst recht so anhört.“
Mit einem nicht zu überhörenden Kreischen sprang Urs auf die kurzen Beine und brach-te seinen knallroten, felligen Körper in die Luft. „Hey, hey, hey, was soll denn das? Nimm das Ding weg!“ Auch in Tarins Blick standen gemischte Gefühle, doch bei ihm überwog eindeutig die Neugierde.
„Eichhörnchen?“, wiederholte er und streckte zögerlich einen Finger nach dem Fell aus, dessen Farbe sich kaum von der seiner Hose unterschied. Solch ein Wesen hatte er hier in Mirandor noch nie gesehen.
„Ja, Eich-hörn-chen“, sagte Niko besonders langsam und schaute zwischen dem Na-menlosen und Jens hin und her. „Ähm, ich geb dir einen guten Rat: Ignorier den Nager nicht. Der wird richtig sauer, wenn man ihn nicht ernst nimmt und gerade will er etwas von dir oder deinem Ohr, ich bin mir nicht sicher.“ Er strich sie die brauen Locken aus dem Gesicht und klopfte den Staub von der Jeans.
„Eich-hörn-chen“, wiederholte Tarin erneut und drehte den Kopf, um das inzwischen auf seiner Schulter sitzende Wesen weiter betrachten zu können. Doch er erhaschte kaum einen Blick auf die runden, kleinen Augen, da sprang das ‚Eich-hörn-chen‘ auch schon in seine blonden Haare. Was es da wollte, war nicht nur ihm sofort klar.
„Es will mich töten! Es will mich töten! Aaaah!“ Urs‘ Flügel schlugen wie wild, als er kreischend höher stieg und damit die Aufmerksamkeit einiger umstehender Händler auf sich zog – die ihn ja nicht einmal sehen konnten.
Niko trat vor den Typen, der ihm einfach seinen Namen verschwieg, und streckte die Arme aus. Ein seltsames Summen brummte an seinem linken Ohr vorbei, was ihn kurz-zeitig an seinem Vorhaben, Jens aus den Haaren des seltsamen Kerls zu ziehen, hin-derte. Jens krallte sich daran fest und der blonde Mann zuckte und verzog das Gesicht. Diesmal brummte es an Nikos rechtem Ohr und er schlug wild durch die Luft, während Jens triumphieren die wiedergewonnene Freiheit feierte und sich auf die Hinterpfötchen stellte.
„Aaah!“ Getroffen trudelte Urs zu Boden und Tarin konnte gerade noch die Hand aus-strecken, um seinen kleinen Freund aufzufangen. Der blieb jedoch nicht lang auf seiner Handfläche liegen, sondern sprang gleich wieder auf und deutete anklagend auf den fremden Mann mit den langen Haaren, der sich als … Niko? Ja, als Niko vorgestellt hat-te. „Siehst du? Die arbeiten zusammen! Lauf, Tarin, lauf, die gehören doch zum König!“
Kopfschüttelnd legte Tarin eine Hand um den felligen Bauch des kleinen Varnirs und sah Niko entschuldigend an. „Verzeiht, mein kleiner Freund ist manchmal etwas … auf-brausend.“
„Aufbrausend? Aufbrausend! Du hast sie doch … Vorsicht, das Ding kommt!“
„Welcher kleine … Freund?“, fragte Niko und sah sich gründlich um. In der Gasse war niemand außer ihnen drein und diesen fiesen Insekten.
Jens löste sich aus den strubbeligem Haar und flitzte auf den Arm hinab zu der Hand, die der Typ so komisch hielt. „Alles okay mit dem zarten Patschepfötchen?“, scherzte er und sah plötzlich einen quietschroten, fellig wirkenden Punkt auftauchen und promt wieder verschwinden. „Was war das? Bist du ein Zauberer? Gut oder böse?“
Niko verdrehte die Augen aufgrund seiner dämlichen Frage, doch dieser Ort war ma-gisch und gefährlich.
Tarin konnte ein nervöses Lachen nicht unterdrücken und sah sich unsicher um. Noch immer starrten einige der Menschen, die sich auf dem Marktplatz in Onamdra drängten, zu ihnen hinüber. „Lasst uns doch mal da in die Richtung gehen“, murmelte er, verstärk-te seinen Griff um Urs‘ Bauch und zog den Fremden Niko einfach am Arm hinter sich her in eine der Seitenstraßen. Dann hob er beide Hände auf Augenhöhe und sah Urs streng an. „Dass du nicht einmal den Mund halten kannst! Wir sollten nur Vorräte kau-fen! Und was machst du? Schreist herum und legst dich mit einem Eich-hörn-chen an!“
„Hab gar nichts gemacht. Das Ding hat angefangen.“
„Das stimmt doch gar nicht!“
„Und ob!“
Es wurde immer abgefahrener. Wo, verdammt noch mal, hatte Henriette ihn hinge-schickt …
Der Typ sprach tatsächlich mit seinen Handflächen. Niko beugte sich nach vorn und besah sich den Handrücken, warum auch immer. „Jens, komm mit!“ Kurz überlegte er, ob es sich wohl um einen Zauberspruch handeln könnte, doch: ‚Dass du nicht einmal den Mund halten kannst! Wir sollten nur Vorräte kaufen! Und was machst du? Schreist herum und legst dich mit einem Eich-hörn-chen an!‘, klang wenig zauberhaft. Jens hüpf-te auf das rote Pflaster und kam, mit einem argwöhnischen Blick Richtung Himmel, auf ihn zu. Als das Nagetier anhielt, schnaufte Niko ungehalten und wandte seine Aufmerk-samkeit erneut den Handflächen zu. Wieder leuchtete ein roter, dicker Punkt auf, mit Augen, Fühlern und einem Mund. Niko stockte der Atem, als es blinzelte, aufgeregt: „das Ding“ sagte und zornig zu Jens über die Handfläche schielte. Dann waren die Handflächen wieder leer und er rieb sich die Augen. „Was hältst du da fest?“
Tarin öffnet den Mund, um diesem Niko einzureden, dass da gar nichts war – sah dann aber ein, dass das wohl keinen Sinn hatte. Seufzend hob er Urs etwas dichter vor Nikos Gesicht. „Das ist Urs. Ein Varnir. Du kannst ihn wahrscheinlich nicht sehen, weil du kei-ne Magie in dir trägst. Was man von deinem Eich-hörn-chen wohl nicht behaupten kann. Er … Urs, was soll das, lass mein Sonnenkraut los!“
„Ein Vampir?“ Niko legte den Kopf leicht zur Seite und beobachtete das Armband des fremden Kerls, welches plötzlich zuckte. Dann lachte er. „Ich dachte, die vertragen kei-ne Sonne. Und glaub mir, ich trage Magie in mir, wenn auch nicht viel. Und Urs ist die-ses rote, dicke Fellhäufchen?“ Jens sprang auf Nikos Schulter und beäugte das Arm-band nun ebenfalls. Die Sekunden, die er auf eine Antwort des noch immer Namenlo-sen wartete, verstrichen und Jens quietschte meckernd, wackelte mit dem megabuschi-gen Schwänzchen und hielt dabei Nikos Tunnel umklammert. Und als ob das nicht rei-chen würde, begannen seine Fußsohlen seltsam zu kribbeln und wurden taub.
„Ein Varnir“, wiederholte Tarin und konnte die Begeisterung kaum aus seiner Stimme bannen. „Genau, sein Fell ist rot. Du hast doch bestimmt schon von ihnen gehört, dass sie Gold mit sich herumtra… hey, ist alles in Ordnung? Was …“ Doch weiter kam er nicht, denn plötzlich war die Luft erfüllt von einem seltsamen grünen Schimmer und … etwas Funkelndem. „Oooh …“ Mit glänzenden Augen streckte Urs eine kleine Hand nach den glitzernden, grünen Partikeln aus, doch da waren sie auch schon wieder ver-schwunden. Genau wie Niko und sein Eich-hörn-chen. „Hä?“
Selten hatte Urs eine Situation so treffend beschrieben wie diese. „Wo sind sie denn hin?“, murmelte Tarin und sah sich um, suchte nach der Magie seiner Umgebung und spürte doch nichts als den roten Stein Onamdras. „Weg. Weg, das gefällt mir“, stellte Urs fest und erhob sich grinsend in die Luft, bevor er eine Augenbraue hob und noch einmal näher zu Tarin heranflog. „Lass uns das bloß niemandem erzählen. Männer mit Löchern in den Ohren und gruselige kleine Dinger. Das glaubt uns doch niemand.“

***

Neugierig geworden? Teil 1 der märchenhaften Reihe, „Verflixte Flüche – Voll verschlafen“ könnt ihr zum Beispiel hier bestellen.

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