Harry und ich.

IMAG0437_1„So langsam verstehe ich deinen Harry-Potter-Wahn. Man kriegt so viele Hintergrundinformationen zu den Filmen!“ -Freund.

Eigentlich sollte dahinter stehen „Freund, fast 21, liest zum ersten Mal Harry Potter.“
Zum ersten Mal! Ist das zu fassen? Ich beneide ihn so sehr! Ich würde wirklich eine Menge geben, um die Reihe meiner Kindheit noch einmal zum ersten Mal zu lesen. Um noch einmal zum ersten Mal in die Winkelgasse zu gehen, nach Hogwarts zu fahren …

„We are the Potter-Generation“, wird so oft irgendwo geschrieben – und es stimmt! Ich weiß noch genau, dass mir die ersten beiden Bände vorgelesen wurden, weil die Schrift für mich noch zu klein war. Den zweiten wollte meine Schwester dann schon nicht mehr mithören, weil er ihr zu gruselig wurde, aber mich hatte das Potter-Fieber gepackt. Als der dritte Film ins Kino kam hat mein Stiefvater die nette Dame an der Kasse davon überzeugt, dass ich das Buch gelesen habe und dass es in Ordnung wäre, wenn ich ihn ansähe – obwohl ich noch nicht zwölf war.
Ich hatte meinen eigenen Zauberstab, alle möglichen PC-Spiele und als ich zum Geburtstag ein Harry-Potter-Szene-it bekommen habe (da musste man Fragen zu Büchern und Filmen beantworten), hat nach einer Woche niemand mehr mit mir spielen wollen. Ich war am Boden zerstört!

Während der Schulzeit habe ich das alles eher nur zuhause ausgelebt. Aber während des Studiums habe ich doch tatsächlich zwei Freundinnen gefunden, die da genauso verrückt sind wie ich! Sie bewundern meine Zitate-Wand, die Bilder, Poster, Fotos und die fliegenden Schlüssel … Ja, ich habe ein paar alten Schlüsseln Flügel gebastelt und sie an die Decke gehängt … oh, und ich habe ein Wandtattoo von einem Kamin an der Wand, die Flammen grün gemalt und Flohpulver daneben gestellt.

Und dann, vor etwa zwei Monaten war es so weit: Mein Freund stellte nach 21 sinnlosen Lebensjahren fest, dass er die Bücher doch gern endlich lesen wolle! Gnädig wie ich bin durfte er sich aussuchen, ob er die deutsche oder die englische Variante haben wollte, schließlich hab ich beide.
Und wie konnte es anders kommen? Ich gab ihm Band eins mit und am nächsten Morgen stand er vor der Tür und wollte den zweiten. Zwei Tage später brachte ich ihm drei und vier mit und bekam immer wieder Nachrichten wie „Warum hast du mir den nächsten nicht auch noch mitgebracht?“ „Marie! Wann bist du zuhause, ich brauche Teil sechs!“.

Hach, das war ja so eine Genugtuung! Jahre lang hab ich auf ihn eingeredet, und endlich sieht er ein, dass ich Recht hatte. Endlich versteht er meine ganzen Zitate und kann sogar mitsprechen! Und er lacht nicht mehr darüber, dass ich bei den Filmen immer so fertig bin. Als Teil sieben ins Kino kam war ich in der zehnten Klasse und eine Freundin kam auf die grandiose Idee, dass wir den doch in einer großen Gruppe anschauen sollten. Das war eine ganz tolle Idee. Ich habe sie alle vorgewarnt, wirklich! Ich wusste ja, was kommt!
Schon als Hedwig Harry am Anfang gerettet hat, war es für mich vorbei. Ich konnte bis zum Ende nicht mehr aufhören zu heulen. Mein Freund durfte dann jeden, der kurz aufstand um auf Toilette zu gehen und mich schockiert angesehen hat beruhigen mit dem Satz „Ihr geht’s gut, das ist immer so!“
Haha. Danke.
Meine Kindheit brach zusammen! Sie konnten das nicht verstehen!
Aber mein Freund tut es jetzt und steht sogar auf, wenn ich „Accio, Wasserflasche!“ rufe.
Na ja, beim ersten Mal hat er’s zumindest gemacht.

 

 

 

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